Wissenschaftsfreiheit in Gefahr?

Wissenschaftsfreiheit in Gefahr – 85% der deutschen Wissenschaftler sehen die Wissenschaftsfreiheit in Gefahr. Das zeigt eine neue Studie der Freien Universität Berlin.

Spätestens seit der Coronakrise wurde nicht nur Wissenschaftlern, sondern auch der Bevölkerung deutlich, dass die Wissenschaftsfreiheit in Gefahr ist. Wissenschaftler, die nicht den Regierungs-Politikern, der Pharmalobby, der Waffenlobby und den Fernsehwissenschaftlern folgten, sondern Fakten zum Infektionsgeschehen und der Krankenhausbelegung benannten und Evidenz forderten, wurden systematisch aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen, diskreditiert und entlassen, wie z.B. Ulrike Guérot, die zwischen Maßnahmenbefürwortern und Maßnahmenkritikern vermittelte oder Patrik Baab, der sich wagte auf beiden Seiten der Front in der Ukraine (#Anzeige) zu recherchieren. Insgesamt wurden rund 50 Wissenschaftler in Deutschland in den letzten Jahren entlassen, die der Meinung der Regierung widersprachen.

Ähnlich eingeschüchtert wie beim Thema Corona, mRNA, Klima oder Ukraine werden jetzt auch Wissenschaftler, deren Forschungen einen Nahost-Bezug haben. Damit beschäftigt sich die Studie von Jannis Julien Grimm, Sven Chojnacki u.a., die am 15. September 2025 am Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung der Freien Universität Berlin veröffentlicht wurde.

Die Studie: Wissenschaftsfreiheit in Gefahr!

Selbstzensur und Einschränkungen seit dem 07. Oktober 2023

Die Studie befragte insgesamt rund 2000 Wissenschaftler in einer disziplinübergreifenden Online-Befragung, deren Forschungen einen Nahostbezug haben-

Im Spannungsfeld zwischen dem Anspruch offener, wissenschaftlicher Debatten und der politischen Diskursverengung, Anfechtungen und Sanktionen befinden sich Forschende in Verunsicherung und Zurückhaltung ihrer Ergebnisse zu Israel/Palästina. Besonders betroffen fühlen sich Forschende mit unsicheren Beschäftigungsverhältnissen oder hoher Drittmittelabhängigkeit.

Einig waren sich die Wissenschaftler, dass die zentrale Aufgabe von Universitäten der Schutz der pluralen Meinungsäußerung sei.

Die Studie liefert zum ersten Mal eine Evidenz der fehlenden Wissenschaftsfreiheit in Deutschland und deckt sich mit den Befunden der US-Erhebungen des Middle East Scholar Barometer.

Die Ergebnisse: Wissenschaftsfreiheit in Gefahr

85% der Befragten nehmen eine zunehmende oder stark zunehmende Abnahme der Wissenschaftsfreiheit wahr. Unter den Postdocs (nach der Dr.-Arbeit) ist die Bedrohung mit 90,5% am größten.

Selbstzensur der Wissenschaftler:

  • 76% halten sich bei Themen zu Israel zurück
  • 81%, bei öffentlichen Veranstaltungen
  • 54% in den Medien
  • 42%. im Kollegium

Über 50% der Wissenschaftler nehmen einen gestiegenen Druck an ihrer Hochschule wahr, das Thema Israel zu meiden.

  • 53% waren von Bedrohungen und Einschränkungen betroffen
  • 14% wurden institutionell ausgegrenzt
  • 16% waren von Ausladungen betroffen
  • 16% von medialer Diffamierung
  • 19% von Antisemitismusvorwürfen
  • 19% von Hassreden und Drohungen im Netz

Besonders hohe Werte der Selbstzensur zeigen sich in den Disziplinen

  • Arabistik
  • Islamwissenschaft
  • Kultur
  • Politik
  • Sozialwissenschaften

Methodik der Studie

Die Studie basiert auf einer Online-Erhebung von in Deutschland tätigen Wissenschaftlern mit einem wissenschaftlichen Bezug zu Israel/Palästina. Einbezogen wurden Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und wissenschaftliche Think Tanks. In der Auswertung wurden quantitativ-statistische Analysen mit Freitextantworten zu den Themenbereichen kombiniert.

Einordnung der Studienergebnisse

Die Studie weist Parallelen zu den Befunden des Middle East Barometers in den USA auf sowie zu anderen Erhebungen in Deutschland zur akademischen Redefreiheit und zu Anfeindungen gegen Forschende.

Die Besonderheiten im deutschen Kontext sind die hohe öffentliche Politisierung der Wissenschaft und die Reaktionen innerhalb der Hochschulen.

Es ist dringender Handlungsbedarf gefordert, der die Wissenschaftsfreiheit, die Debattenkultur und den Schutz der Forschenden wieder herstellt. Der Einfluss von Politik, Industrie und Stakeholdern auf Hochschulen, Institute und Forschende muss unterbunden werden, wenn an deutschen Hochschulen wieder Wissenschaftsfreiheit und unmanipulierte, evidenzbasierte Wissenschaft stattfinden soll.

Weiterführend:

Wissenschaft zwischen Freiheit und Autoritarismus

Quellen:

Studie: myScience

Middle East Scholar Barometer

Patrik Baab: Auf beiden Seiten der Front (#Anzeige)

Wissenschaft zwischen Freiheit und Autoritarismus – Vorlesung

Die French-Theorie als Ursache von Autoritarismus in der Wissenschaft

Wissenschaft zwischen Freiheit und Autoritarismus – Ringvorlesung: Am Montag, den 25.11.2024, beginnt die Vorlesungsreihe Wissenschaft zwischen Freiheit und Autoritarismus. Eva Illouz bildet den Auftakt dieser spannenden Reihe mit ihrem Vortrag „Between Freedom and Authoritarianism – French Theory and US Academic Politics“. Die Vorlesung findet in der Aula der alten Universität Heidelberg um 18.00 Uhr statt.

Eva Illouz spricht über die French Theory, eine kritisch-analytische Denkschule, und das Verhältnis zwischen Politik und Wissenschaft in den USA.

Die French Theorie ist eine kritische Denkschule der 1980er Jahre, die von französischen Intellektuellen wie Foucault, Derrida (#Anzeige)und Deleuze in den USA entwickelt wurde. Laut Illouz ebnete die French Theorie paradoxerweise einer autoritären Wissenschaft den Weg.

Prof. Dr. Eva Illouz ist Soziologin der Ecole des Hautes en Sciences Sociales, einer französischen Elite-Hochschule in Paris, und mehrfach ausgezeichnet. Ihr Beitrag ist Teil der Ruperto Carola Ringvorlesung, die sich in diesem Wintersemester mit dem Thema „Freiheit?! Die Universität als Diskursraum“ beschäftigt.

Illouz These zum Autoritarismus in der Wissenschaft

Die Frenchtheorie ist eine postmoderne kritische Theorie, die in den USA in den Sozial- und Geisteswissenschaften eine wichtige Rolle spielt. Illouz vertritt die These, die French Theory ebnete mit ihrer Verwendung durch politische Akteure und für politische Zwecke der autoritären Wissenschaft den Weg. In ihrem Vortrag geht die Referentin der Frage nach, wie aus der kritisch-analytischen Perspektive der French-Theorie, die frühere Wissensansprüche und angebliche Wahrheiten entkräften und dekonstruieren wollte, ein autoritärer Wissenszugang erwachsen konnte.

Im Anschluss an den Vortrag will Eva Illouz mit ihrem Dialogpartner Prof. Dr. Günther Leypoldt vom Anglistischen Seminar der Universität Heidelberg diskutieren.

Die Vorlesungsreihe wurde von der Sinologin Prof. Dr. Barbara Mittler und der Medienanthropologin Prof. Dr. Brosius vom Heidelberger Centrum für transkulturelle Studien entwickelt.

Für wen? Wo?

Präsenzvorlesung – Digitale Vorlesung

Wissenschaft zwischen Freiheit und Autoritarismus-Ringvorlesung

Das Thema Freiheit in der Wissenschaft soll mit dem Format einer Ringvorlesung einer breiten Öffentlichkeit zugängig gemacht werden. Auf den Auftakts-Vortrag „Between Freedom and Authoritarianism – French Theory and US Academic Politics“ am 25.11.2024 von Eva Illouz sollen in diesem Wintersemester noch vier weitere Vorträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern folgen, jeweils montags um 18.00 Uhr in der Aula der Alten Universität Heidelberg. Die Vorträge werden aufgezeichnet und stehen etwas später auf heiOnline, dem zentralen Portal der Universität für digitale Medien, zur Verfügung.

Insbesondere in den letzten Jahren konnten nicht nur Studierende und Wissenschaftler, sondern die Bürger der gesamten westlichen Welt erfahren, wie die Wissenschaft von politischen Akteuren, NGOs, Oligarchen und Großkonzernen unterlaufen und missbraucht wurde. Wo liegen die Ursachen? Wie konnte es so weit kommen? Gibt es ein Zurück zur freien Wissenschaft? Diesen Fragen stellen sich die Wissenschaftler in ihren Vorträgen und Diskussionen, die Hoffnung auf einen neuen offenen Diskurs säen, wie wir ihn in den 1980er Jahren an den Hochschulen noch erleben durften und der Wissenschaft schließlich erst zur Wissenschaft macht, da sich Dogma, insbesondere in Kombination mit Cancel Culture, und Wissenschaft gegenseitig ausschließen.

Weiterführende Literatur:

Michel Foucault: Analytik der Macht (#Anzeige)

Jacques Derrida u.a.: Denken heißt Nein sagen (#Anzeige)

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Neue Funktionen der CRISPR Cas9 Methode

Neue Funktionen der Genschere CRISPR-Cas9 entdeckt

Die Genschere CRISPR-Cas9 sorgte für einen Durchbruch in der Gentherapie. Nun haben Forschende neue Funktionen der Genschere entdeckt. CRISPR-Cas9 war die erste Genschere, die ohne Schäden DNA zerschneiden und auch ersetzen konnte. Alte Genscheren schnitten zu ungenau, um sie gezielt einsetzen zu können. 2020 erhielten die Forscherinnen Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier, zwei Forscherinnen des Max-Planck-Instituts, dafür den Chemie-Nobelpreis.

Die Entdeckung

Jetzt haben Forschende der Universität Bonn und des Universitätsklinikums Bonn (UKB) zusammen mit der Partneruniversität St Andrews in Schottland und dem European Molecular Biology Laboratory in Hamburg neue Funktionen der CRISPR Cas9 Methode entdeckt.

Mit CRISPR Cas9 wehren Bakterien Phagen (Viren, die Bakterien befallen) ab. Wenn die Viren die Bakterien befallen, zwingen sie die Bakterien, die Viren zu vermehren. Als Abwehrmechanismus haben einige Bakterien deswegen die Genschere CRISPR entwickelt. Mit der Genschere finden und zerschneiden die Bakterien die Phagen und machen sie damit unschädlich. Die Bakterien integrieren die so enstandenen Bruchstücke der Viren in ihr Genom. Diese integrierten Bruchstücke dienen den Bakterien als Gedächtnis, sodass der nächste Angriff der Viren schnell erkannt und ausgeschaltet werden kann.

CRISPR sendet zusätzlich Signalmoleküle aus, um ein komplexes Angreifen zu ermöglichen. Die Forschenden haben nun entdeckt, dass diese Moleküle u.a. an ein Protein gebunden sind, namens CalpL, das einen enzymatischen Eiweißabbau durch Spaltung bewirkt. Die neu entdeckte Genschere zerschneidet das Protein CalpT, dabei sichert es ein drittes Eiweißmolekül, das den Stoffwechsel des Bakteriums auf Angriff umstellt, namens CalpS.
Welche Gene CalpS dabei anschaltet, wissen die Forschenden noch nicht. Sie hoffen aber, dass sich die Genschere durch die neue Entdeckung noch vielfältiger gestaltet.

Ähnlich wie die Virenabwehr des Bakteriums funktioniert auch das menschliche Immunsystem, wenn Viren die Zellen des Körpers befallen.

Kurze Geschichte der Genschere CRISPR-Cas9

Chemie-Nobelpreis 2020

Die Grundlagenforschung zur Genschere begann bereits 1989. In den 1990er Jahren verfolgte Francisco Mojica die ersten Spuren der Genschere, er entdeckte ungewöhnliche DNA-Muster in den Chromosen von Mikroben. Mojica entdeckte die CRISPR-Repeats und fand heraus, dass sie zum Stammbaum des Lebens gehören. Um die Jahrtausendwende bekommt CRISPR ihren offiziellen Namen.

Ruud Jansen entdeckte 2002, dass CRISPR und Cas zusammengehören.

10 Jahre dauerte es dann noch bis eine passgenaue Genschere gefunden wurde.

Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier erhielten schließlich 2020 den Chemie-Nobelpreis für ihre 2012 publizierte Arbeit zur Genschere CRISPR Cas9 mit der sie zielgenau DNA aufspüren, reparieren, aufschneiden und ersetzen können. CRISPR-Cas9 ist die Genschere des Bakteriums Streptokokkus, das mit der Genschere Viren abwehren kann.

Die Entdeckung gab der Genforschung neuen Aufschwung und Hoffnung, mit CRISPR Cas9 zu immunisieren, Krankheiten zu heilen und selbst Schöpfer zu sein.

So immunisierte der chinesische Wissenschaftler He Jiankui mit der Genschere zwei Mädchen gegen HIV, die 2018 geboren wurden.

Chancen und Gefahren der CRISPR Cas9 Methode

Grenzen der Forschung: Neue Funktionen der CRISPR Cas9 Methode

Mit CRISPR Cas9 fanden die Forscherinnen ein Werkzeug, Krankheiten zu heilen, die bis dahin unheilbar waren, wie z.B. die spinale Muskelatrophie, vorausgesetzt der Arzt weiß, welche Teile der DNA die Erkrankungen aufweisen, herausgeschnitten und ersetzt werden müssen.

Wissenschaftler gehen von einem Durchbruch in der Medizin aus, bislang unheilbare Krankheiten wollen sie mit CRISPR Cas9 beheben. Mit der Genschere sei alles möglich, bemerkte kürzlich auch Hendrik Streeck in einem Interview mit der Welt, Krankheiten heilen, aber auch die Augenfarbe bestimmen und vieles mehr sei möglich. An dieser Stelle spricht Streeck die Eugenik an, die mittels Genschere noch weitere Auswüchse annehmen könnte, als mit den Versuchen der Menschenzucht des letzten Jahrhunderts. Designerbabys aus dem Katalog wären möglich, Aussehen, Intelligenz und Charakter könnten frei ausgewählt werden, Erbkrankheiten, Behinderungen und Schwächen ausgemerzt.

Doch ist das so leicht und was ist ethisch vertretbar?

Die 2018 geborenen chinesischen Zwillinge, die mit der Genschere CRISPR Cas9 gegen das HI-Virus immunisiert wurden, mittels einer Mutation des CCR5-Gens, wurden zwar gegen HIV immunisiert, dafür stieg die Anfälligkeit für andere Erkrankungen vermutlich an.

Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui hat das Gen CCR5 mittels Genschere funktionsunfähig gemacht, da ein von diesem Gen hergestelltes Protein als Haupteintrittsquelle von HIV in die Zellen gilt. Die Mutation des CCR-5-Gens ähnelt der natürlich auftretenden Mutation D32, die die Lebenserwartung laut Analyse von über 400.000 Datensätzen der britschen Gendatenbank senkt. So zeigten Menschen mit zwei Veränderungen an CCR5 eine deutlich niedrigere Lebenserwartung als Menschen ohne Mutation oder nur einer Mutation an CCR-5. Daraus schlussfolgerten die Forscher, dass auch die beiden Babys eine geringere Lebenserwartung haben könnten. Die Kinder seien durch die Manipulation am Erbgut zwar immun gegen HIV, aber anfälliger für andere Infektionskrankheiten. Die Lebenserwartung sei gesenkt. Die Studie erschien auf Nature.

Immunreaktionen auf CRISPR Cas9 aus Streptokokkus

2018 erschien auf Nature Medicine bereits eine Pilot-Studie, dass Menschen auf das Eiweißmolekül Cas9 mit Abwehrreaktionen reagieren könnten, da es von dem Bakterium Streptokokkus stammt, das der menschliche Organismus als feindliches Eiweiß erkennt. Angina oder Scharlach sind z.B. Streptokokkeninfektionen, die der menschliche Körper natürlicherweise abwehrt.

Erste Untersuchungen deuteten darauf hin, das CRISPR Cas9 ungewollte Erbgutveränderungen auslöst und das Krebsrisiko erhöht.

Die Studie der Charité gab Hinweise darauf, dass ungewollte Immunreaktionen auf Cas9 ausgelöst werden. Im Laborversuch reagierte das Blut von 48 Frauen und Männern mit einer T-Zellen-Reaktion auf das Eiweißmolekül. T-Zellen sind sogenannte Killerzellen im menschlichen Körper, die ein Gedächtnis gegen ihnen bekannte Erreger entwickeln und angreifen, sobald ein bekannter Krankheitserreger auftritt. Diese T-Zellen reagierten nicht nur auf Cas9 aus Streptokokkus, sondern auch auf Eiweißmoleküle anderer Erreger.

Beim Einsatz der Genschere außerhalb des Körpers können die Immunreaktionen vorher geprüft werden, innerhalb des Körpers, was bei vielen Krankheiten nötig ist, kann der Einsatz gefährlich werden, hier wird nach zusätzlichen Methoden geforscht.

Ob neue Funktionen der CRISPR Cas9 Methode ein besseres Sicherheitsprofil ermöglichen, ist noch unbekannt.

Zu den medizinischen Risiken durch CRISPR Cas9, die eine Anwendung nur bei schwersten Leiden rechtfertigen könnten, kommen die ethischen Fragen. Wo sind die Grenzen der Forschung? Was darf Medizin, was nicht? Will der Mensch sich hier zum Gott erheben? Welche Sicherheiten erhält der Bürger?

An den illegalen Erbgutmanipulationen des chinesischen Wissenschaftlers He Jiankui und in der Coronakrise wurde schnell deutlich, wie leicht Menschenrechte, Verfassungen und Medizinrecht außer Kraft gesetzt werden können, wenn nur genug Geld und Macht im Spiel ist.

Weiterführende Literatur:

Generation Gen-Schere: Wie begegnen wir der gentechnologischen Revolution? (#Anzeige)

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Desinfektionsmittel in Böden

Gefahr von multiresistenten Keimen durch Desinfektionsmittel

Ein Forscherteam der Justus-Liebig-Universität Gießen weist Desinfektionsmittel in Böden in 97% der untersuchten Bodenproben in Hessen nach.

Der politische Maßnahmenkatalog der Bundesregierung während der Coronakrise schrieb jedem Betrieb Hygienevorschriften vor, u.a. die Lokalitäten regelmäßig zu desinfizieren und Händedesinfektionsmittel für alle zur Verfügung zu stellen. Nicht selten wurden Kunden oder Gäste beim Betreten eines Ladens oder Restaurants aufgefordert, sich die Hände zu desinfizieren, obwohl bekannt war, dass es sich bei Covid-19 nicht um eine Schmier-, sondern um eine Tröpfcheninfektion handelt.

Diese Maßnahmen führten laut Forscherteam der JLU Gießen und des hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zu einer erhöhten Tensidkonzentration in Böden. In einer groß angelegten Studie untersuchten sie Bodenproben nach Tensiden, quartären Alkylammoniumverbindungen (QAAV). In 97% der 65 Bodenproben konnte QAAV nachgewiesen werden. Der Gehalt an QAAV überschritt dabei zum Teil Werte von 1 mg kg-1 und liegt damit oberhalb des Wertes, der für Medikamente und Antibiotika nachgewiesen wurde laut Pressemitteilung der JLU. Die QAAVs wurden in allen Bodenproben gefunden, sowohl im Acker, im Weinbau, als auch in Grün- und Waldlandschaften.

Desinfektionsmittel in hessischen Böden

Die Studie

Die Studie von Kai Jansen, Christian, Mohr, Katrin Lügge, Christian Heller, Jan Siemens und Ines Mulder ist auf Sciencedirect erschienen.

Fünfundsechzig Bodenproben entnahmen die Forscher aus verschiedenen Landnutzungen (Ackerland, Grünland, Wald, Weinberg) und Gebietstypen (ländlich, Agglomeration) . Sie wurden auf Konzentrationen von Alkyltrimethylammonium (ATMACs, mit Alkylkettenlängen C8-C16), Benzylalkyldimethylammonium (BACs, C8 -C18) und Dialkyldimethylammoniumverbindungen (DADMACs, C8-C18) über HPLC-MS/MS nach ultraschallunterstützter Extraktion mit angesäuertem Acetonitr untersucht. Das untersuchte Gebiet umfasst insgesamt 21.115 km².

Desinfektionsmittel in Böden und Antibiotikaresistenzen

Problematisch am übermäßigen Einsatz von Desinfektionsmitteln ist, dass sie Antibiotikaresistenzen hervorrufen können.Weltweit sterben laut WHO 1,3 Millionen Menschen jährlich an multiresistenten Keimen. Viele Krankenhäuser sind mit multiresistenten Keimen belastet, da hier viel desinfiziert werden muss. Neben dem Missbrauch mit Antibiotika stehen die QAAVs im Verdacht, multiresistente Keime hervorzubringen.

QAAVs sind kationische organische Verbindungen mit amphiphilen Eigenschaften (wasser- und fettlöslich), die als Tenside und Desinfektionsmittel in Industrie, Haushalt und Landwirtschaft weit verbreitet sind.

In den 1920ern wurden QAAVs aufgrund ihrer desinfizierenden und oberflächenaktiven Eigenschaften schnell bekannt (Domagk, 1935; Hartmann und Kägi, 1928). Bereits 1960 wurden Hinweise auf eine mögliche antimikrobielle Resistenz bei Mikroorganismen, die durch QAAVs induziert wurden, berichtet (Malizia et al., 1960). Seitdem haben mehrere Studien darauf hingewiesen, dass die Exposition gegenüber QAAVs nicht nur zu einer QAAV-Resistenz führt, sondern auch die Resistenz gegen verschiedene Antibiotika fördern kann (Buffet-Bataillon et al., 2016; Gaze et al., 2005; Kim et al., 2018 ; Zeng et al., 2022). Es hat sich gezeigt, dass das Ausgesetztsein gegenüber bestimmten hemmenden Konzentrationen zur Entwicklung von Kreuz- und Koresistenzmechanismen führt, die die Empfindlichkeit von Mikroorganismen gegenüber vieler Antibiotika verringert (Tezel und Pavlostathis, 2011).

Eine toxikologische Untersuchung der QAAVs beschränkte sich bis vor kurzem auf Wasserorganismen, 2021 fanden aber Hriúbec et al. in 80% menschlicher Blutproben QAAVs von 43 untersuchten menschlichen Blutproben, die mit Entzündungen, Störungen der Cholesterinhomöostase (Regelsystem des Cholesterinspiegels) und beeinträchtigter Mitochondrienfunktion (Funktion der Organellen, die maßgeblich zur Energieversorgung der Zellen beitragen) in Verbindung gebracht wurden.

Zeng et al zeigten 2022, dass QAAVs auch in der Muttermilch von stillenden Müttern gefunden wurde.

Die letzten Jahre wurden QAAVs aufgrund ihrer angeblichen Fähigkeit zur Inaktivierung des SARS-CoV-2-Virus vermehrt eingesetzt. (Dewey et al., 2021; Huang et al., 2021). Laut Hora et al. (2020) enthielten 216 der 430 von der US-Umweltschutzbehörde für Hygienemaßnahmen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie empfohlenen Desinfektionsmittel BAC, DADMAC oder eine Kombination aus beiden. Der verstärkte Einsatz spiegelt sich in steigenden Konzentrationen in der Umwelt wider. Alygizakiset et al. (2021) berichteten über einen Anstieg von 331 % für Konzentrationen von QAAVs in Abwasserzuflüssen während des ersten Lockdowns. Ein Anstieg der QAAV-Konzentrationen von Staubproben in Innenräumen um 62 % während der Maßnahmen wurde von Zheng et al. untersucht(2020). (Kai Jansen et al., 2022)

Fazit der Studie

Desinfektionsmittel in Böden

Kai Jansen et al. fanden in den allermeisten hessischen Böden quartäre Ammoniumverbindungen, unabhängig von Landnutzung oder Bodentyp.

In Schlemmböden fand sich, wie erwartet, eine Anhäufung von QAAVs während Hochwasserereignissen (Kläranlagen, Abwasser).

QAAVs, die in Acker- und Grünlandböden gefunden wurden, die nicht von Überschwemmungen betroffen sind, wurden laut Studie wahrscheinlich mit organischen Düngemitteln, einschließlich Klärschlamm, und mit Pestiziden verunreinigt

Die Verunrenigung von Waldböden spricht für eine atmosphärische Einbringung der QAAVs, möglicherweise mit Staubpartikeln. Um die Eintrittspfade für Waldböden zu klären, sollten atmosphärische Partikel auf QAAVs untersucht werden.

Die Muster von QAAVs legen eine Persistenz einiger QAAVs in Böden über Zeiträume von mehreren Jahren nahe. Das weit verbreitete Vorkommen von QAAVs in Böden spricht für ihre potentielle Relevanz für die Selektion und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen in der Umwelt.

Der Abbau von QAAVs sollte unter realistischen Bodenbedingungen untersucht werden, um eine Einschätzung für deren Bedeutung bei der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen zu bestimmen.

Essgewohnheiten im Urin bestimmen

Forschung: Ernährungsweise und Umweltgifte ermitteln

Im Urin können durch Massenspektrometrie Umweltgifte nachgewiesen werden. Das neue Forschungsprojekt will nun die Essgewohnheiten im Urin bestimmen.

Lebensmittelchemiker Hans-Ulrich Humpf untersucht mit seinem Team an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, WWU, Lebensmittelgifte im Urin von Patienten, wie z.B. Schimmelpilze. Aber auch falsche Essgewohnheiten können zu Krankheiten führen. Der Chemiker will anhand von Blut- und Urinuntersuchungen mit Hilfe der Massenspektrometrie herausfinden wollen, wie sich Menschen ernähren und welchen Umweltgiften sie ausgesetzt sind.

So untersucht er in Simbabwe, im Gemeinschaftsprojekt unter Koordination der US-amerikanischen Cornell-Universität, die Ursachen von Entwicklungsstörungen bei Kindern, die Schimmelpilzen auf Mais zuzuordnen sein könnten, den die Mütter zu sich nehmen und der früh zugefüttert wird.

In Bangladesch werden Schimmelpilze auf Reis und Gewürzen untersucht.

Das neue Forschungsprojekt

Essgewohnheiten im Urin bestimmen

Lebensmittelrückstände lassen sich noch 10-24 Stunden nach dem Verzehr im Urin feststellen. Hans-Ulrich Humpf hat dafür ein Massenspektrometer, das fünfmal sensibler messen kann als übliche Geräte.

Bisherige Verfahren zur Bestimmung der Nahrungsaufnahme

Ernährungswissenschaftler nutzen Ernährungstagebücher von Patienten, um den Verzehr ungesunder Lebensmittel, ungesunde Mengen an Lebensmitteln oder ungenügende Kombinationen der Lebensmittel, bzw. fehlende Vielfalt festzustellen. In diesen Tagebüchern schreibt der Patient alle Lebensmittel und Getränke auf, die er zu sich nimmt. Anhand des Tagebuchs kann der Ernährungsmediziner erkennen, worauf z.B. Übergewicht oder gehäufte Gichtanfälle zurückzuführen sind.

Die Untersuchungsmethode

Einige Hundert Biomarker für Lebensmittel sind inzwischen bekannt. Allerdings wurden sie nicht ausreichend auf ihre Tauglichkeit geprüft, hinzu kommt, dass sie teilweise mehreren Ernährungsgruppen zuzuordnen sind. Amelie Frank, Humpfs Doktorandin, sucht deswegen nach Biomarkern, die sich einzelnen Lebensmitteln konkret zuordnen lassen, etwa bestimmten Getreide- oder Gemüsesorten.

Sind die Biomarker der unterschiedlichen Lebensmittel einmal bekannt, so könnten sie mit Hilfe der Massenspektrometrie innerhalb von 10-24 Stunden nach dem Essen im Urin oder Blut nachgewiesen werden.

Nach Frank könne das Ernährungsfehler aufspüren bei Menschen, die beim Ernährungstagebuch unterschlagen werden oder die nicht in der Lage sind, ein Ernährungstagebuch zu führen.

Quelle: Christina Hoppenbrock, Unizeitung wissen

Diskussion

Mit Hilfe der Ermittlung von Biomarkern für die einzelnen Lebensmittel könnten diese Lebensmittel im Urin oder Blut mittels Massenspektrometrie nachgewiesen werden. Die derzeitigen Geräte können Lebensmittel innerhalb von 10-24 Stunden nach Verzehr nachweisen. Um die Ernährungsgewohnheiten von Patienten festzustellen, wären also tägliche Untersuchungen notwendig. Das übliche Ernährungstagebuch für Patienten von Fachärzten für Ernährungswissenschaft werden sie deswegen kaum ersetzen können.

Erschwerend käme in den Industrieländern hinzu, dass die Fülle an Lebensmitteln, inklusive der Produkte der Lebensmittelindustrie, einen sehr hohen Arbeitsaufwand beim Erfassen bedeutet.

Nutzbar wäre das Forschungsprojekt voraussichtlich zunächst in Nichtindustrieländern, die begrenzte Nahrungsmittel zur Verfügung haben.

Eine große Chance sehe ich aber in der Kombination Umweltgifte auf Lebensmitteln im Menschen festzustellen. Auch wenn z.B. Schimmelpilze durch die strengeren Lebensmittelkontrollen in den Industrieländern in der Regel nicht in höheren, schädlichen Mengen zu sich genommen werden, so könnte sich bei regelmäßigem Verzehr eines bestimmten Lebensmittel ein anderes Bild der Menge von Pilzen im Körper ergeben.

Auch dürfte das Projekt insofern für die Industrienationen von Bedeutung sein, wenn zusätzlich zu Keimen und Pilzen nach zugesetzten Giften gesucht wird. Insbesondere in den Industrienationen sind viele Grundahrungsmittel mit einer Vielzahl an Pestiziden, Herbiziden und chemischem Dünger versetzt, deren Auswirkungen beim Verzehr weitgehend unerforscht sind. Hinzu kommen Schwermetalle und Medikamentenrückstände selbst im Trinkwasser sowie die chemischen Zusätze der Nahrungsmittelindustrie.

Um den Zusammenhang zwischen Erkrankung und Giften in der Nahrung hinreichend zuordnen zu können, müssten aber zusätzlich wenigstens statistische Erhebungen erstellt werden.

Vom Nachkriegseuropa zum Nachmauereuropa-und zurück

Vorlesung: Adam-von-Trott-Lecture

Am 24.11. hält Professor Timothy Garton Ash die Adam-von-Trott-Lecture mit dem Titel Vom Nachkriegseuropa zum Nachmauereuropa-und zurück.
Die Vorlesung findet am 24. November 2022 um 19.00 Uhr im Adam-von-Trott-Saal am Wilhelmsplatz 3 der Universität Göttingen statt. Die Vorlesung ist kostenfrei, die Teilnahme ist auch online möglich.

Das Kooperationsprojekt Widerstand – Demokratie – Internationalität

Adam von Trott zu Solz

Die Vorlesungsreihe Adam von Trott Lecture erinnert als öffentliche Vorlesungsreihe an den Widerstandskämpfer Adam von Trott zu Solz.
Adam von Trott zu Solz (1909-1944) studierte an der Universität Göttingen Rechtswissenschaften, promovierte in Völkerrecht, bis ihn ein Stipendium schließlich von 1931-1933 an die Universität Oxford führte. Er war ein früher Gegner des Nationalsozialismus und gehörte zur Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis, die Konzepte für die Zeit nach dem Nationalsozialismus entwarf. Ab 1940 arbeitete er für das Auswärtige Amt und knüpfte internationale Verbindungen zur Erweiterung des Widerstandsnetzwerkes. Er setzte sich stark für die internationale Unterstützung gegen Hitler und die Nationalsozialisten ein. Von Trott unterstützte dabei das Attentat seines Freundes Graf von Stauffenberg.
Am 20. Juli 1944 wurde von Trott verhaftet und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 26. August 1944 in Berlin hingerichtet.

Timothy Garton Ash

Timothy Garton Ash, geboren 1955, ist Historiker mit dem Forschungsschwerpunkt europäische Geschichte seit 1945 an der Universität Oxford sowie Direktor des europäischen Studienzentrums des St. Anthony Colleges, Oxford. Außerdem betätigt er sich als Sachbuchautor.

Kommentar: Vom Nachkriegseuropa zum Nachmauereuropa – und zurück

Brisanz der Vorlesung

Im Jahr 2020 läuteten Politiker in Europa und global eine Zeitenwende ein. Technische Fortschritte wurden und werden im Eiltempo entwickelt und unter Aushebelung der Menschenrechte und der Verfassungen in Europa durchgesetzt; Abschaffung des Bargeldes, Aufbau von Totalüberwachung sowie Gen-Datenbanken. Gentechnik am Menschen und psychologische Großversuche wurden mit Hilfe von nie dagewesener Groß-Propaganda durchgesetzt. Für Politiker, Oligarchen und Forschung ein Schlaraffenland, doch wohin steuert Europa ethisch?

Darf ein Staat im 21. Jahrhundert Menschen in ein Gefängnis sperren, um dann die Zunahme von Gewalt gegen Frauen und Kinder unter Extrembedingungen zu untersuchen? Darf er Kinder wieder zu absolutem Gehorsam erziehen, darf er sie Mörder nennen, wenn sie nicht gehorchen, sie einschüchtern und das Spielen, Raufen und Kuscheln mit Freunden und Familie verbieten? Darf der Staat alte Menschen einer Isolation aussetzen, die laut Amnesty International als Folter gilt? Darf er Menschen wieder aus der Gesellschaft und dem Beruf ausgrenzen? Darf er vorschreiben mit wem der Bürger Kontakt hat und ohne richterlichen Beschluss in Wohnungen eindringen? Darf er Kleidervorschriften machen? Darf er wieder Zeitungen, den öffentlichen Rundfunk und soziale Netzwerke zensieren sowie Aufklärung und Widerstand bestrafen?

Ist das in einer Demokratie überhaupt denkbar?

Muss technischer Fortschritt automatisch mit ethischem Verfall einhergehen? Muss Technik zwangsläufig in eine Technokratie führen und müssen ethische Errungenschaften wie der Humanismus und die Aufklärung einfach ausgelöscht werden, wie im Europa des 20. Jahrhunderts oder dürfen Menschenrechte doch noch eine Rolle spielen?

Die neue Gesellschaftsordnung wirft viele Fragen auf, soll die Menschheit in die finstersten Zeiten des 20. Jahrhunderts zurückgeführt werden und die Frage nach einem noch sehr zaghaften Widerstand sind wohl die brennensten. Umso erfreulicher, dass Timothy Garton Ash mit seiner von Trott Lecture mit dem Thema „Vom Nachkriegseuropa und Nachmauereuropa – und zurück“ diese Fragen aufzunehmen scheint. Das Thema hat eine Brisanz erreicht, wie seit 1945 nicht mehr. Umso erfreulicher ist, dass die von Trott-Lecture nicht nur eine Präsenzvorlesung ist, sondern auch die Möglichkeit einer Internetzuschaltung besteht. Möge der wissenschaftliche Diskurs wieder angestoßen werden und Ethik wieder eine Rolle spielen dürfen in Wissenschaft, Bildung, Beruf und Gesellschaft.

Sensoren zur Früherkennung von Nierenerkrankungen

Humboldt-Stipendiatin will Früherkennung von Nierenerkrankungen im Speichel messen

Die Humboldt-Stipendiatin aus Brasilien, Dr. Maria Vega, will gemeinsam mit Prof. Stefan Kaskel zur Früherkennung von Nierenerkrankungen, elektrochemische Sensoren entwickeln. Prof Kaskel, Prof. für Anorganische Chemie an der Falkultät Chemie und Lebensmittelchemie der TU Dresden, ist der Gastgeber der Stipendiatin.

Früherkennung Nierenerkrankung, Materialentwicklung
Material

Nierenerkrankungen werden oft zu spät erkannt, häufig werden sie nur zufällig durch Harnuntersuchungen entdeckt, da sie zu Beginn der Erkrankung wenig Symptome bereiten. Bei Routineuntersuchungen fallen sie durch Eiweiß oder Blut im Harn auf.

Prof. Kaskel beschäftigt sich vor allem mit der Erforschung von porösen Materialien für die Umwelttechnik und die Energiewende. Dr. Vega möchte diese Materialien und das gut ausgestattete Labor der TU Dresden nutzen, um Harnstoff im Speichel nachweisen zu können. Dazu soll ein spezifisches Material entwickelt werden, das die Menge des Harnstoffes ohne aufwendige Untersuchung im Speichel feststellen kann. Das neu entwickelte Material soll als elektrochemischer Sensor dienen und zusätzlich zur Diagnosestellung auch die Dialyseleistung messen können.

Rätsel um Qualitätsmängel bei Biontech – Impfstoff – Graufärbung

Laut Berliner Zeitung wendeten sich vier renommierte Wissenschaftler wegen etwaiger Qualitätsmängel des Impfstoffes Comirnaty mit einem Brief an BionTech-Gründer Ugur Sahin. Sie stellten nicht zugelassene Zusatzstoffe und in einigen Chargen eine Graufärbung der Impfflüssigkeit fest.

Aus Sorge um mögliche Qualiätsmängel der Impfstoffe, stellten vier Wissenschaftler Sahin in einem Brief einige Fragen, Jörg Matysek, Prof. für Analytische Chemie an der Universität Leibzig, Gerald Dyker, Prof. für Organische Chemie an der Uni Bochum, Andreas Schnepf, Prof. für Anorganische Chemie an der Uni Tübingen und Martin Winkler, Prof. für Materials and Process Engineering an der Zürcher Hochschule der angewandten Wissenschaften. Die Naturwissenschaftler halten den Impfstoff für nicht massentauglich.

Je nach Charge des Impfstoffes variieren die Farben der Flüssigkeit von weiß bis grau. Da nahezu alle Substanzen der Dispersion farblos sind, sei die Farbe weiß zu erwarten. Bei Tabletten weisen Verfärbungen darauf hin, dass im Herstellungsprozess etwas schief gelaufen sei, deswegen fragen die Wissenschaftler Sahin, ob die Graufärbung eine Verunreinigung sei.

Außerdem fragen sie nach der Qualitätssicherung der kaum geprüften Impfungen; wie sichergestellt sei, dass die richtige Menge mRNA in den Lipid-Nanopartikeln enthalten sei, wie die Qualität der einzelnen Chargen und wie die Konzentration der mRNA inner- und außerhalb der Lipid-Nanopartikel geprüft werde.

Qualitätsmängel bei Biontech? – Gefährliche Zusatzstoffe?

ALC-0159 und ALC-0315 nicht für die Anwendung am Menschen zugelassen

Außerdem enthält der Impfstoff zwei Zusatzstoffe, die nicht für die Anwendung am Menschen zugelassen sind, ALC-0159 und ALC 0315. Sie werden zur Bildung der Nanopartikel des Impfstoffes eingesetzt. Sowohl ALC-0159 als auch ALC-0315 sind ausschließlich zu Forschungszwecken im Labor zugelassen, nicht aber für eine Anwendung am Menschen. Für ALC-0315 wird z.B. eine Reizung der Haut und Schleimhäute beschrieben. Die Wissenschaftler wollen wissen, wie sichergestellt werde, dass ALC-0315 nicht auch die Gewebe reize? Sie fragen nach Studien, die lokalisieren, wo die Zusatzstoffe nach der Impfung im Körper verbleiben und ob sich diese Stoffe toxisch auf Mensch und Umwelt auswirken.

Wie in meinem letzten Artikel bereits dargelegt, scheinen die Nebenwirkungen der Impfungen, je nach Charge, sehr unterschiedlich zu sein. Die Wissenschaftler fragen Biontech direkt, ob es eine Korrelation zwischen Charge und Nebenwirkung gibt, ob diese untersucht werde und ob sich eine Qualitätssicherung um die Ursachen der Chargenabweichungen bemüht. Außerdem wollen die Wissenschaftler wissen, ob eine höhere Sicherheit der Impfstoffe geplant sei.

Da einige Nebenwirkungen schneller auftreten als das von der Produktion der Spikeproteine im eigenen Körper zu erwarten sei, nehmen die Wissenschaftler an, dass es sich hier um toxische oder allergische Reaktionen auf einige Inhaltsstoffe handelt. Auch hier wollen sie von Biontech wissen, ob es dazu Untersuchungen gibt.

Forderung der Wissenschaftler

Nebenwirkungen und Mängel der Impfungen gehören in den öffentlichen Diskurs

Aufgrund der Brisanz des Themas hat die Berliner Zeitung den Brief mit den Fragen auch an das Paul-Ehrlich-Institut geschickt, das für die Medikamentensicherheit in Deutschland zuständig ist.

Außer der Beantwortung der Fragen zu den Sicherheitsbedenken, fordern die Wissenschaftler, dass die Nebenwirkungen der Impfungen mehr in den Fokus der Öffentlichkeit geraten sowie mit den behandelnden Ärzten diskutiert werden. Nur dann seien Arzt und Patient in der Lage, eine Entscheidung zu fällen, ob eine Impfung sinnvoll ist oder nicht. Von einer Massenimpfung mit diesen wenig erforschten Stoffen, die nach wie vor mehr Fragen aufwerfen als gewünschte Ergebnisse zeigen, raten die Wissenschaftler vorerst ab.

Die viel diskutierte Impfpflicht dürfte unter solchen Voraussetzungen nicht durchsetzbar sein.

Digitale Transformation – Neues duales Studium der Verwaltungsinformatik in Berlin

Das neue duale Studium der Verwaltungsinformatik wird ab dem Wintersemester 2022/23 vom Land Berlin und der HWR Berlin angeboten.

Am 21.01.2022 unterzeichnete die Senatsfinanzverwaltung den Dachvertrag des Landes Berlin mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR). Ab dem Wintersemester soll der duale Studiengang der Berliner Verwaltung erstmals angeboten werden. Motivierte Nachwuchskräfte erhielten zuvor Stipendien. Mit dem Wechsel von Stipendiatsmodell zum dualen Studium ergeben sich Vor- und Nachteile für die Studierenden.

Der Aufbau des dualen Studiengangs Verwaltungsinformatik

Der duale Studiengang Verwaltungsinformatik ist als Bachelorstudiengang konzipiert, ein Master ist nicht vorgesehen. Das Bachelorstudium dauert sieben Semester und wird jeweils zum Wintersemester angeboten. Während der vorlesungsfreien Zeit müssen in den ersten 5 Semestern Praxisphasen von 5-8 Wochen, insgesamt 26 Wochen, absolviert werden.

Themenschwerpunkte sind

  • Verwaltung (Öffentlichen Recht, Haushaltswesen …)
  • Informatik (Betriebssysteme, Datenbanken, IT-Infrastruktur …)
  • Integration (E-Government …)
  • Methodenkompetenzen (Projektmanagement, Prozessmanagement …)

Vor- und Nachteile von Stipdendium und dualem Studium

Mit einem Stipendium verpflichten sich Studierende zu überdurchschnittlichen Leistungen, nach dem Studium bestehen keine weiteren Verpflichtungen mehr, wie etwa beim BAföG. Mit einem dualen Studium binden sich die Studierenden an eine Ausbildung in der Verwaltung, in der Regel müssen sie nach dem Abschluss für mehrere Jahre weiter im öffentlichen Dienst arbeiten. Das hat Vor- und Nachteile, während eines dualen Studiums erhalten die Studierenden ein niedriges Gehalt (1400 Euro), sie werden nach dem Bachelor übernommen mit Aussicht auf eine Verbeamtung. Die Nachteile liegen auf der Hand, es stehen nur begrenzt Arbeitsplätze zur Verfügung, die Wahl des Arbeitsplatzes ist ziemlich eingeschränkt und die Gehälter sind in der öffentlichen Verwaltung niedriger als auf dem freien Arbeitsmarkt. Da der duale Studiengang Verwaltungsinformatik als Bachelorstudiengang konzipiert ist, kann im Rahmen der anschließenden Arbeitsverpflichtung kein Masterstudiengang absolviert und keine Dissertation geschrieben werden.

Fortschreitende Digitalisierung und Transformation

Im Rahmen der Agenda 2030 wurde 2019 in nahezu allen Behörden bundesweit die E-Akte eingeführt. Berlin will die Digitalisierung der Bezirks- und Hauptverwaltung weiter vorantreiben. Ralf Kleindiek, Staatssekretär für Digitales und Verwaltungsmodernisierung, äußerte sich entsprechend zum Studiengang: „Ich bin begeistert von diesem Studiengang, denn für die digitale Transformation brauchen wir Profis, die beides können: Informatik und Verwaltung. Unser Ziel ist klar: Wir wollen, dass die digitale Verwaltung zum Alltag wird. Mit diesem Nachwuchs sind wir auch zukünftig für große Projekte wie die Digitalisierung der Bürgerdienste, die elektronische Akte oder die Migration der Verwaltung gut aufgestellt.“

Bewerbungen für den dualen Studiengang Verwaltungsinformatik können bis zum 04. März 2022 hochgeladen werden.

Weitere Informationen gibt es beim Land Berlin und bei der HWR Berlin.

KI-Unterstützung beim Lernen für Studierende

Ulmer Forschende entwickeln digitale Lernsysteme, die sich den Fähigkeiten und Vorkenntnissen der Studierenden anpassen sollen. Unterstützt wird das Forschungsvorhaben „2LIKE“ vom BMBF mit zwei Millionen Euro. Bereits im Wintersemester 2022/23 sollen die KI-basierten Lernsysteme in ausgewählten Studienfächern eingesetzt werden.

Die Coronakrise habe gezeigt, dass Studierende die Unterstützung der betreuenden Professoren, der Seminar- und Übungsleiter sowie die ihrer Kommilitonen benötigen, um erfolgreich ihr Studium abzuschließen. Damit Studierende weiterhin vereinzelt im Home-Studium bleiben können, soll sie in Zukunft eine KI begleiten, die ihnen das notwendige Feedback ihres Lernerfolges gibt sowie auf ihre individuellen Fähigkeiten und Vorkenntnisse eingeht.

Die bereits vorhandene Lernplattform Moodle, die z.B. die Fernuniversität Hagen nutzt, um Berufstätigen ein Studium zu ermöglichen, erlaubt zwar bereits gewisse Anpassungen, individuelle Rückmeldungen kann sie jedoch nicht geben. Mit 2LIKE soll sich das ändern. 2LIKE soll die Defizite der Studierenden aufspüren und individuelle Angebote hierzu machen können. Hierfür sei eine interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendig.  Wissensbasierte KI und maschinelles Lernen sollen die Universitäts-Institute  Künstliche Intelligenz und Neuroinformatik einbringen, die digitale Infrastruktur soll das Kommunikations- und Informationszentrum der Universität Ulm liefern. Das psychologische und didaktische Konzept entwirft die Abteilung Lehr- und Lernforschung des Instituts für Psychologie und Pädagogik.

Das gab die Presseabteilung der UUlm am 17.01.2022 bekannt.

Bereits im September 2020 hat die Pädagogische Hochschule Karlsruhe ein Institut für Informatik und digitale Bildung gegründet. Hier wird erforscht wie digitale Lernumgebungen optimal umgesetzt werden können, es werden Lehr-Lern-Konzepte entwickelt mit denen fachwissenschaftliche Inhalte mit praktischem Wissen verknüpft werden sollen. Zur Anwendung sollen die digitalen Lernkonzepte in Schule und Hochschule kommen. (Presseerklörung der Universität Karlsruhe)

Soziale Fähigkeiten, Empathie sowie Eigenständigkeit, wie Selbsteinschätzung und eigene Recherche, gehen Studierenden  so verloren. Auch wäre mit einer solchen KI leicht steuerbar, welche wissenschaftlichen Werke, Studien und Erkenntnisse Studierende lesen und welche nicht. Eigenständiges Denken, Austausch über wissenschaftliche Erkenntnisse sowie ein Diskurs darüber gingen so verloren. All diese Fähigkeiten benötigt eine zukünftige Elite aber, um verantwortungsbewusst und ethisch in Beruf und Forschung tätig zu werden.