Kurzgeschichte der Eugenik

Eugenik im Wandel der Zeit

Kurzgeschichte der Eugenik – Viele Menschen in Deutschland glauben, die Eugenik -die Menschenzucht- sei auf den Nationalsozialismus begrenzt gewesen, doch eugenische Ideen ziehen sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte. Erste eugenische Utopien finden sich bereits bei Platon (Politeia) und gipfeln heute in der Ideologie des Transhumanismus, in Ideen der Mensch-Maschine-Verschmelzung oder der gentechnisch optimierten Menschen.

Frühe Utopien zur Menschenzucht finden sich bereits in Platons Politea, im Gilgamesch-Epos, in der Promotheus-Sage oder der Legende vom Jungbrunnen.

Platon wollte z.B. die Ehe als Fortpflanzungs- und Erziehungsumgebung abschaffen. Die Behörden sollten Männer und Frauen nach guten Eigenschaften aussuchen, sortieren und sie dann zusammenführen. Die Quantität der Eltern und die Qualität ihrer Nachkommen sollten die Behörden kontrollieren. (Platon, Buch IV, Politeia) (#Anzeige)

Bereits in der Spätantike etablierte Augustinus „das Hässliche“, der Schönheit der Schöpfung Abweichende, das Abnorme im christlichen Denken.

Auch gab es in der Antike bereits Ideologien zu Mensch-Gott-Chimären, antike Götter waren halb Mensch, halb Gott und Mensch-Tier-Chimären, wie z.B. die Sphinx, waren halb Tier, halb Mensch, wie wir sie heute im Transhumanismus wiederfinden. Harari nennt die selbst kreierten Menschen „homo deus“ (bezahlter Link zum Buch), wie sein gleichnamiges Werk zum Transhumanismus, durch Mensch-Maschine-Verschmelzungen und die Genforschung soll in Zukunft der Mensch vom Menschen selbst kreiert werden, wie erste Versuche z.B. beim Einpflanzen eines menschlichen Hirn-Organoids in ein Rattenhirn zeigen.

Körperzentrierte Utopien zur Menschenzucht, die Körper und Geist optimieren sollten, finden sich auch bei Bacon, Descartes und Condorcet.

Die Menschenzucht war von Beginn an Teil der Philosophie und der Politik, später dann auch der politischen Soziologie.

Erst durch Darwin und die mendelsche Vererbungslehre wurde die Menschenzucht auch Bestandteil der Biologie, der Medizin und der Technik. Die Menschenzucht bekam durch Darwin und Mendel einen neuen Aufschwung und gipfelte schließlich im 20. Jahrhundert in den Sterilisations- und Euthanasieprogrammen der Nationalsozialisten. Heute schlägt sich die Eugenik in der Humangenetik nieder und ist neben der Mensch-Maschine-Verschmelzung Teil der Ideologie des Transhumanismus und des Posthumanismus.

Beschäftigte sich die sogenannte positive Eugenik zunächst in erster Linie mit der gezielten Vermehrung der Stärksten und Intelligentesten durch organisiertes Zusammenführen von Männern und Frauen mit den gewünschten Eigenschaften, entstand im 19. Jahrhundert der Begriff der Degeneration.

Datensammlungen als Voraussetzung der Eugenik

Geschichte der Eugenik: Datensammlungen als Voraussetzung

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Sammeln von Daten der Bevölkerung Teil der Bevölkerungspolitik, die Bevölkerung wird zur ökonomisch bedeutsamen Ressource und zum Projekt systematischer Beobachtung. Die Demographie wurde als neues Wissensgebiet eingeführt als Grundlage zur Steuerung des Staatsapparates, so wurden zunächst Geburten- und Sterberaten gesammelt.

100 Jahre später ordnet sich hier die Verwissenschaftlichung der Fortpflanzung auf zwei Ebenen ein, auf die Ebene von Werten und auf die Ebene der Wahl von Handlungsmitteln und der Bewältigung von Folgeproblemen.

Kurzgeschichte der Eugenik: Der Begriff der Degeneration

Um nachzuvollziehen, warum die Eugenik im Nationalsozialismus zu Sterilisation und Euthanasie führte, wie auch im Transhumanismus ab 2020/21, ist die Einführung des Begriffs der Degeneration in der Politik von Bedeutung. Für den Transhumanismus sind weitere Begriffe von Bedeutung wie Ressourcenknappheit und Überbevölkerung, die bereits in den 1950er Jahren den Diskurs mit bestimmten, wie ich weiter unten noch zeigen werde.

Die Degeneration in der politischen Debatte

Während die Degeneration der Bevölkerung im 19. Jahrhundert ein Problem für die Politik darstellte, das sie sich nicht erklären konnte, ist sie im 21. Jahrhundert Ziel der Politik. Durch die Bologna-Reform an den Hochschulen ist die Qualität der Studiengänge massiv gesunken. Auswendiglernen statt Denken ist das Motto, in den letzten Jahren kam die Cancel Culture hinzu, die den wissenschaftlichen Diskurs, der eigentlich Voraussetzung aller Wissenschaft ist, verbietet und Wissenschaft durch Ideologie ersetzt. Ideologisch gefärbte KI soll Bevölkerung und Studierenden zusätzlich die Recherchearbeit abnehmen, Wissenslücken aufspüren und auffüllen. Der Mensch von Morgen soll also weder seine Wissenslücken selbständig füllen können, noch selbständig recherchieren oder denken können. Bereits heute gibt es junge Erwachsene, die keine Schreibschrift mehr gelernt haben.

Im Gegensatz zum 19. Jahrhundert will die Politik des 21. Jahrhunderts eine Degeneration der Bevölkerung und der Studierenden herbeiführen und implementieren, die im 19. Jahrhundert noch als Problem gesehen wurde und zu Strategien der Abwehr der Degeneration führten. Im 19. Jahrhundert wurde außerdem noch großen Wert auf die Quantität der Bevölkerung gelegt, da viele Bauern, Handwerker, Soldaten und später auch Arbeiter in den Fabriken für Wohlstand und Verteidigung eines Landes sorgten.

Durch die Industrialisierung und die Konzentration großer Teile der Bevölkerung um die Fabriken, die Verarmung und die harten Arbeitsbedingungen in den Fabriken breiteten sich Probleme wie Seuchen, Alkoholismus und Verwahrlosung der Kinder aus, die während der Arbeit der Eltern alleine zu Hause waren und weder versorgt noch gefördert werden konnten, sodass körperliche und geistige Entwicklungsstörungen um sich griffen, die allerdings nicht als Folge der harten Arbeit, der mangelnden Hygiene und der mangelnden Fürsorge galten, sondern als Degenerationsprozess der Bevölkerung fehlgedeutet wurden.

Der Begriff der Degeneration als Voraussetzung zum Aussortieren von Menschen

Während sich die frühen Ideologien zur Menschenzucht auf die Züchtung von starken und intelligenten Menschen beschränkten, wurde der Begriff der Degeneration Teil der Negativauswahl, die dann im Nationalsozialismus in der Sterilisation und in der Tötung behinderter Menschen und „niederer Rassen“ gipfelten.

Die Biologisierung der Menschenzucht
Charles Darwin und die Folgen

Charles Darwin (1809-1882) definierte den Menschen als Gegenstand der Auslese. Alle Lebewesen stammen nach Darwin von einem Stammbaum ab. Vor Darwin galt die Art als feststehende Konstante mit individuellen Abweichungen. Darwins Untersuchungen legten jedoch nahe, dass eine Art veränderlich ist. Die Art passe sich an ihre Umgebung an und die Nachkommen einer Art können sich in manchen Merkmalen bereits von ihren Vorfahren unterscheiden. Artabweichungen und die Divergenz der Abweichungen führte Darwin auf den Kampf des Überlebens zurück. Der Daseinskampf sei die Ursache der „natürlichen Selektion“. Nur der Tüchtigste überlebe. Eine wirksame Strategie des Überlebens sei die sexuelle Zuchtwahl.

Auch wenn Darwin die Evolution als grundsätzlich vorwärtsgerichtet beschreibt, sei bei Kulturvölkern auch ein Rückschreiten möglich, wenn niederstehende, lasterhaftere, leichtsinnige Menschen sich schneller vermehren als andere. Darwin führte hier auch die Definition des Monströsen ein, das Monströse mit seinen extremen Abweichungen könne sich auch in der ganzen Bevölkerung ausbreiten. Darwin führte hier die Anormalität als Gesetzmäßigkeit bei der Entstehung von Leben ein. Das führte in Folge zu biologisch begründbaren eugenischen Konzepten und Strategien.

Noch vor den Vererbungsgesetzen ließen Darwins Theorien radikalere Eingriffe nötig erscheinen, anstelle von individuellen Heilungen.

Durch die Selektions- und Evolutionstheorie Darwins (bezahlter Link zum Buch) ließen sich Wertsetzungen und die daraus folgenden Handlungen wissenschaftlich herleiten.

In Verbindung mit dem Utilitarismus findet expansiver Szientismus Niederschlag in den Werten: Das Individuum wird abgelöst durch die Gattung.
Diese Abstraktion und der Begriff der Erbmasse führten zu Veränderungen in Politik, Ethik und Wissenschaft, die biologische Lösungen vor soziale und gesellschaftliche Lösungen stellten.

Damit richteten sich die neuen Ethiken gegen die christliche Individualethik und den Gleichheitsgrundsatz der Aufklärung.

Begriffsentwicklung: Eugenik und Rassenhygiene –
Francis Galton – der Begründer der Eugenik

Als Begründer der Eugenik gilt Francis Galton (1822-1911), der Cousin Charles Darwins. Er entwickelte aus Darwins Theorie der Entwicklung der Arten (bezahlter Link zum Buch) sein Konzept zur Verbesserung der Arten „Genie und Vererbung“ (bezahlter Link zum Buch). Auch entwickelte er wie Darwin eine Kurvenlandschaft des Normalen in der Bevölkerung zur Bemessung der Abweichung.

Galtons Forderung nach einer künstlichen Selektion stellt ihn vor ein forschungsmethodisches Problem, die Daten der „Zuchtwahl“ zu erfassen.

Nach Galton könne die Reputation eine messbare Größe sein, er sieht die guten Eigenschaften nicht gleichmäßig auf die Bevölkerung verteilt, sondern sie häuften sich in bestimmten Familien. Die Fähigkeiten leitete er vom Genie ab, Befähigungen für bestimmte Berufe würden weiter vererbt.

Er entwickelte die Theorie der „reinen Typen“, die besonders für den Überlebenskampf geeignet seien und deren Eigenschaften besonders harmonisch abgestimmt bei einigen Menschen vorkommen. Aus dieser Mischung leitete er den Idealtypus ab. Der Mensch im Allgemeinen befinde sich zwischen Genius und Idiotie.

Im Nationalsozialismus führten die Ärzte dann zahlreiche Vermessungen der verschiedenen Ethnien
durch, um ihre Rassentheorien zu begründen.

Kurzgeschichte der Eugenik: Auslese auf der Ebene der Keimzellen
August Weismann

Der Zoologe August Weismann (1834-1914) veröffentlichte 1904 seine umfassende Vererbungstheorie. Er verbindet sie mit der Selektionstheorie.

Weismann studierte die Vererbung an Einzellern. Er ging durch seine Beobachtungen unter dem Mikroskop von einer unsterblichen chromatischen Substanz aus, die die Einzeller durch Teilung an ihre Nachkommen weitergeben. Diese Theorie überträgt er auf Mehrzeller. Weismann glaubte, die Keimzellen seien unveränderbar und könnten sich bei allen Lebewesen unendlich durch Teilung vermehren. Hier unterscheidet er sich von Darwin, der eine Änderung der Arten bereits bei direkten Nachkommen beobachtet hatte.

Die Kultur der Menschen rege nach Weismann abwärts gerichtete Keimlinien an. Die Humanität störe deswegen den natürlichen Selektionsprozess. Entfällt so die Regulation auf natürlichem Wege, müsse sie künstlich angeregt werden.

Geschichte der Eugenik: Alfred Ploetz – Rassenhygiene

Was in England Francis Galton unter dem Begriff der Eugenik zusammenfasste, deckt sich mit dem Begriff des deutschen Arztes Alfred Ploetz (1860-1940) der Rassenhygiene. Die internationale Eugenik-Elite benutzte beide Begriffe synonym.

1905 gründete Ploetz die erste eugenische Gesellschaft für Rassenhygiene.

Ploetz vertat die an Darwin angelehnte Theorie, dass Zeugung nicht dem Zufall überlassen werden sollte, sondern sich an die Zeit und an die Wissenschaft anlehnen müsse.

Wenn missgebildete Kinder trotzdem nicht verhindert werden könnten, solle man sie einem sanften Tod zuführen, z.B. mit Morphium.
Ärzte sollten zur Beurteilung des Erbwertes und des Fortpflanzungsrechts herangezogen werden und die Entscheidung über Leben und Tod treffen können.

Züchtungsideologien der Sexualmoralisten

Kurzgeschichte der Eugenik

Zu den Züchtungsvorstellungen der Eugeniker kamen die Züchtungsideologien von Sexualmoralisten.

Die Eugeniker und Sexualmoralisten bildeten eine Schnittmenge, in der die Sexualmoral die Vorbedingung der Eugenik sei.

So sollten z.B. nach dem Sexualmoralisten Christian von Ehrenfels (Philosoph und Begründer der Gestaltpsychologie) „rassisch wertvolle Männer“ in Frauenverbänden verweilen, so könnten sie auf diese Weise 1000e Kinder zeugen.

Es bildeten sich eugenische Bünde, wie die Nordische Bewegung, die Bewegung Mittgart „zur Erneuerung der germanischen Rasse“ und ähnliche Bünde wie die „zur Züchtung einer Rasse von Blonden und Blauäugigen“ in denen sich Frauen und Männer bis zur Schwangerschaft treffen sollten.

Eugenik nach 1945
Julien Huxley und der Transhumanismus

Nach den Euthanasieprogrammen der Nationalsozialisten traf sich die eugenische Welt-Elite bereits in den 1950er Jahren wieder um Julien Huxley (Biologe und Bruder von Aldous Huxley), der den Transhumanismus begründete. Der Transhumanismus ist eine eugenische Ideologie der Mensch-Maschine-Verschmelzung und des genetisch optimierten Menschen, die sich stark an den Nationalsozialismus anlehnt. Der Transhumanismus definiert den homo sapiens sapiens als Untermenschen sowie den mit neuen Technologien veränderten und ausgestatteten „Menschen“ als Übermenschen.

Die internationalen Eugeniker, die schon Hitlers Menschenversuche unterstützten, beschlossen die Eugenik zur Bevölkerungskontrolle und zur Optimierung der Bevölkerung aufgrund des Entsetzens über die Sterilisations- und Euthanasieprogramme der Nazis zunächst ruhen zu lassen, bis Gras über den Nationalsozialismus gewachsen ist.

Sie machten sich allerdings damals bereits Gedanken um den Bevölkerungszuwachs, der um die Jahrtausendwende erreicht sein würde. So schrieb Aldous Huxley in seinen Essays von 1959 „Wiedersehen mit der schönen neuen Welt“, eine Reflexion seines Romans „Schöne neue Welt“ (bezahlter Link zum Buch):

„Die kürzeste und und breiteste Straße zum Albtraum der „schönen neuen Welt“ führt wie gesagt, über Überbevölkerung und die beschleunigte Vermehrung der Menschheit – zwei Milliarden achthundert Millionen heute, fünf Milliarden fünf Millionen um die nächste Jahrhundertwende, wobei der größte Teil der Menschheit vor der Wahl zwischen Anarchie und totalitärer Kontrolle stehen wird. Aber der wachsende Bevölkerungsdruck auf die verfügbaren Rohstoffe und Nahrungsmittel ist nicht die einzige Kraft, die uns dem Totalitarismus zutreibt. Dieser geheime biologische Feind der Freiheit ist mit unermeßlichen Kräften verbündet, welche gerade durch diejenigen Fortschritte der Technologie entstehen, auf die wir am stolzesten sind.“
(Wiedersehen mit der schönen neuen Welt- Aldous Huxley, Piper) (bezahlter Link zum Buch)

Während die Eugeniker bis ins letzte Jahrhundert die Bevölkerung zu mehren versuchten, um Vorteile in der Ökonomie und im Krieg zu erlangen, beschäftigen sich die Eugeniker heute mit der Bevölkerungsreduktion aus Angst vor Überbevölkerung und Ressourcenknappheit. Hinzu kommt, dass die KI und die Robotik den Menschen in weiten Teilen ersetzen soll, der Mensch also für die eugenische Welt-Elite nicht mehr nützlich ist, sondern eine finanzielle Belastung darstellt.

In der Politik der Transhumanisten und einschlägiger NGOs erreichte die Eugenik ihren derzeitigen Höhepunkt mit geforderten Verhaltens-, Bewegungs- und Fortpflanzungseinschränkungen, wie z.B. die Bewerbung von Gentherapien in Schwangerschaften oder die Bewerbung von Pubertätsblockern für Kinder und Jugendliche sowie in Berechnungen wie viel CO2 ein Baby im Laufe seines Lebens produziert.

Nahezu zeitgleich mit den Werbekampagnen gegen eine Mutterschaft und Nachkommenschaft sowie gegen das Entwickeln einer erwachsenen, sexuellen Identität im Westen, meldete China, technisch funktionsfähige Gebärmaschinen entwickelt zu haben.

Der groß angelegte Menschenversuch seit 2020/21 der eugenischen Welt-Elite soll laut kanadischer Studie inzwischen bereits 30 Millionen Menschenleben gekostet haben.

„„Im Jahre 1931, als ich „Schöne neue Welt“ schrieb, war ich überzeugt, dass wir noch viel Zeit hätten. Die völlig organisierte Gesellschaft, das wissenschaftliche Kastensystem, die Abschaffung des freien Willens mittels methodischen Konditionierens, die durch regelmäßige Verabreichung pharmakologisch hervorgerufene Glückseligkeit annehmbar gemachte Versklavung, die in nächtlichen Schlafunterrichtskursen eingetrichterten Glaubensartikel – das alles würde wohl einmal kommen, aber nicht zu meiner Lebenszeit, nicht einmal zu der meiner Enkel. Ich weiß das genaue Datum der in meiner „Schönen neuen Welt“ erzählten Ereignisse nicht mehr; aber sie spielten sich irgendwann im 6. oder 7. Jahrhundert nach F. (Ford) ab. … Siebenundzwanzig Jahre danach, in diesem dritten Viertel des 20. Jahrhunderts n.Chr. und lange vor dem Ende des 1. Jahrhunderts n. F., denke ich beträchtlich weniger optimistisch denn damals als ich „Schöne neue Welt“ schrieb (Anm. der Autorin: Huxley glaubte, die Menschen würden in der Zwischenzeit (nach dem Krieg) das Beste aus der Unordnung des Liberalismus und der viel zu ordentlichen schönen neuen Welt machen, in welcher völlig reibungsloses Funktionieren keinen Raum für Freiheit oder persönlichen Unternehmungsgeist ließe). Die Prophezeihungen von 1931 werden viel früher wahr als ich dachte. Die selige Zeit aus zu wenig Ordnung und dem Albtraum aus zu viel Ordnung hat nicht begonnen und scheint nicht beginnen zu wollen. Zwar erfreuen sich die Menschen im Westen vereinzelt noch immer eines großen Maßes an Freiheit … In der übrigen Welt ist die Freiheit des Individuums schon verschwunden oder ganz offensichtlich im Verschwinden begriffen. Der Albtraum totaler Organisation, den ich ins 7.Jahrhundert n. F. gelegt hatte, ist aus der ungefährlich fernen Zukunft herausgetreten und erwartet uns nun unmittelbar vor unserer Tür.“ (1959, A. Huxley, Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt)

Datensammlungen und eine totale Ordnung, wie mit der Planung von Smart Cities, digitaler Patientenakte, digitaler ID, Smart Homes, digitalem Geld pp., sind Teil der Eugenik und Bevölkerungskontrolle und in den letzten fünf Jahren juristisch und organisatorisch vorbereitet worden.

Weiterführende Quellen und Fachliteratur:

Maren Lorenz – Menschenzucht – Wallstein (bezahlter Link zum Buch)

Rasse, Blut und Gene: Geschichte der Eugenik und Rassenhygiene in Deutschland (suhrkamp taschenbuch wissenschaft), Weingart, Kroll, Bayertz (bezahlter Link zum Buch)

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Beweis der Unsterblichkeit – Gentechnik

Unsterblichkeitsforscher um Ádám Sturm erbrachten den Beweis, dass Altern verhindert werden kann und damit potentiell eine Unsterblichkeit möglich wird.

Eine der größten Utopien der Transhumanisten ist die Unsterblichkeit. In den USA und Russland lassen sich reiche Transhumanisten nach dem Tod einfrieren, um wieder aufgetaut zu werden, wenn die Formel für die Unsterblichkeit gefunden wurde. Das lassen sie sich viel Geld kosten.

Jetzt haben ungarische Forscher um Ádám Sturm und Tibor Vella der Eötvös-Loránd-Universität herausgefunden, dass die Kontrolle der Aktivität von transposablen Elementen (TEs), auch Sprunggene genannt, in der DNA die Lebensdauer verlängern kann.

Ursache für das Altern gefunden

Der Alterungsprozess

Seit einigen Jahren wird an TEs der DNA geforscht, die für den Alterungsprozess verantwortlich sein sollen. Diese TEs können innerhalb der DNA ihren Standort wechseln. Wenn sie stark beansprucht werden, soll eine Destabilisierung des genetischen Codes ausgelöst und damit der Alterungsprozess beschleunigt werden.

Laut Publikationen von 2015 und 2017 haben die Altersforscher die Zusammenhänge zwischen piRNAs (Piwi-interacting RNAs) und einer möglichen Unsterblichkeit entdeckt.

Piwi-Proteine gehören zur Argonauten-Protein-Familie. Argonauten-Proteine sind evolutionär stark konservierte Proteine, die für die Regulation von Genen eine wichtige Rolle spielen. Sie kommen in fast allen Organismen vor.

Die Mobilität der TEs führt häufig zu Mutationen in funktionellen DNA-Regionen. In der potentiell unsterblichen Keimlinie werden TEs durch den Piwi-piRNA-Weg effektiv unterdrückt.

Zusätzlich steigt beim Altern die DNA-N6-Adenin-Methylierung.
Die DNA-N6-Adenin-Methylierung spielt laut Forschern eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des Alterns.

Das grundlegende Problem der Biologie, ob die zunehmende Mobilisierung der TEs eine Ursache oder eine Folge des Alterns ist, bleibt aber nach wie vor ungelöst.

Beweis der Unsterblichkeit

Alterungsprozesse verlangsamt

Die Kontrolle der TEs in der DNA von Fadenwürmern konnte das Leben dieser deutlich verlängern. Beim Piwi-piRNA- Weg handelt es sich um einen spezifischen Prozess, der die TEs der DNA kontrollieren kann. Dieser Prozess wurde in Krebszellen und in Zellen der unsterblichen Qualle (Turritopis dohrnii) beobachtet.

Mit dieser Erkenntnis hemmten die Wissenschaftler die beweglichen TEs der Fadenwürmer und konnten so eine Verlangsamung des Alterungsprozesses hervorrufen, der das Leben der Würmer um 30% verlängerte.

Der Traum von der Unsterblichkeit

Erste Schritte zum Beweis der Unsterblichkeit

Schon lange ist der Traum der Unsterblichkeit aus den Utopien, den Science Fiction-Romanen und Ideologien der Transhumanisten herausgetreten und wird wissenschaftlich auf unterschiedliche Weise verfolgt.

Während Ádám Sturm und Tibor Vella der Eötvös-Loránd-Universität mit ihren Forschungen zumindest an einem Fadenwurm beweisen konnten, dass sie mit Gentechnik den Schlüssel zum „ewigen Leben“ gefunden haben und mit ihren Arbeiten das Leben des Wurms zumindest verlängern konnten, arbeiten andere Wissenschaftler daran, das Bewusstsein auf einen PC, eine Cloud oder auf einer Festplatte festhalten zu können.

Elon Musk hat kürzlich bekannt gegeben, dass sein Start Up Neuralink dem ersten Menschen eine Gehirn-Computer-Schnittstelle eingebaut hat.

Und Wissenschaftler um Vina Chamola und Ankar Vineet entwickelten 2020 einen auf Gehirn-Computer-Schnittstelle-basierten-Humanoiden. Brain-Computer-Interfaces (BCIs) sind eine Technik, die die Gehirnsignale einer Person aufzeichnen und verarbeiten.

BCIs bieten die Möglichkeit einen Kommunikationsmechanismus mit dem Gehirn durch denken zu steuern und z.B. an einen Stuhl oder einen humanoiden Roboter pp. weiterzuleiten. Der humanoide Roboter, der dem Menschen in Form und Funktion ähnelt, kann also per Gedanken Befehle empfangen und ausführen und so bestimmte Aufgaben erledigen.

Das ist hilfreich, um körperlich behinderten Personen zu helfen, aber auch für Militäroperationen oder Desaster Recovery. Diese BCI-Systeme litten aber lange Zeit unter Ungenauigkeit, da sich die Eingaben bei unterschiedlichen Personen abweichend zeigten. Deswegen wurden hybride BCI-Systeme entwickelt mit einer Multisensorfusion, aus EEG, Elektromyographie (EMG), Elektrokortik (ECoG), Funktionsmagnet Resonanzbildung (fMRI) und Nahinfrarot Spektroskopie (NIRS). Das konnte eine genauere Ausgabe bewerkstelligen.

Dies ist allerdings erst der erste Schritt zur Unsterblichkeit, weitere Schritte, wie das Einbauen eines menschlichen Hirnes wären notwendig, um hier eine Untersterblichkeit zu erlangen. Bisher können aber nur Hirnorganoide mit KI und Chimären mit einem menschlichen Hirn-Organoid entwickelt werden.

Die Wiederbelebung

Wissenschaftler arbeiten daran, mit Hilfe der Gentechnik ausgestorbene Tiere wiederzubeleben. So entschlüsselten sie z.B. den genetischen Code der Wandertaube, die seit 1914 als ausgestorben gilt, um diesen nachzubauen. Etwa 1 Millionen Buchstaben müssten dafür künstlich hergestellt werden. Mit der Genschere CRISPR-Cas9 entnehmen sie einer normalen Taube Genabschnitte und ersetzen sie durch Genmaterial der toten Wandertaube. Andere Wissenschaftler wollen so Mammuts wiederherstellen. 100.000 Dollar spendete der US-Milliardär Peter Thiel für einen Mammut-Clon. Bisher gelang aber lediglich eine Maus mit Mammut-Fell.

Lebensverlängernde Medikamente

Amazon-Chef Jeff Bezos und der Mitgründer von Google Sergey Brin investieren in lebensverlängernde Pillen. Novartis experimentiert mit lebenverlängernden Medikamenten, z.B. mit einem Bakterium von den Osterinseln, dessen Enzym „target of rapamycin complex 1“ (TORC1) die Immunkraft von älteren Menschen stärken soll. Hiermit sollen die Grippeimpfung besser wirken und die Atemwegsinfekte reduziert werden. Gemeinsam mit dem US-Unternehmen PureTech Health gründete Novartis ein Start Up, um mit weiteren Medikamententests gealterte Immunzellen verjüngen zu können. Novartis gilt als Vorreiter von Verjüngungsmedikamenten.

Nanotechnlogie

Die Nanotechnologie entwickelt Nanoroboter, die Organe und Zellen heilen können sollen.

Kryotechnik

In den USA und Russland lassen sich Menschen mit Hilfe der Kryotechnik einfrieren, um so konserviert zu werden. Der erste Mensch hat sich auf diese Weise 1967 in den USA einfrieren lassen. Dabei wird nach dem Tod der Körper in flüssigem Stickstoff auf -196°C heruntergekühlt und damit chemische Reaktionen im Körper sowie der Zellverfall unterbunden. Etwa 300 Menschen lagern so ein. Es gibt sogar erste Erfolge aus den USA die Scheintoten wiederzubeleben. Damit das Wasser im Körper nicht zu Eis wird, wird das Blut komplett aus dem Körper entfernt und durch eine chemische Lösung ersetzt, die der niedrigen Temperatur standhält.

Menschen werden so in den Kryoschlaf versetzt, bis Möglichkeiten zur Heilung ihrer Krankheit oder die Unsterblichkeitsformel gefunden werden.

Klonen

2023 berichteten chinesische Forscher der Northwest University of Agricultural and Forestry Science and Technology, sie hätten 3 Kühe geclont, die doppelt so viel Milch wie eine normale Kuh geben. Sie stellten aus den Ohren von hochproduktiven Holstein-Kühen 120 Embryonen her, die die 1,7 fache Menge Milch produzieren. Aufgrund ihrer Größte wurden die drei Kühe am 30. Dezember 2022 per Kaiserschnitt geboren.

Diskussion

Beweis der Unsterblichkeit

Handelt es sich bei den Unsterblichkeitsphantasien der Transhumanisten um Utopien oder Dystopien?

Der Transhumanismus versteht sich als moderne Philosophierichtung, die auf Julien Huxley zurückgeht. Huxley traf sich bereits in den 1950ern wieder mit den eugenischen Welt-Eliten, um mit ihnen Zukunftspläne für die Eugenik nach dem Nationalsozialismus zu schmieden. Gemeinsam beschlossen sie, die Eugenik ruhen zu lassen, bis Gras über den Nationalsozialismus gewachsen ist. Julien Huxley war von 1946 bis 1948 der erste Generaldirektor der UNESCO.

Der Transhumanismus ist keine klassische Philosophie, er plädiert dafür den Humanismus und die Aufklärung hinter sich zu lassen sowie Kultur und Religion abzuschaffen, um mit den neuen Technologien den homo sapiens sapiens zu überwinden und einen Nachfolger zu schaffen, den sogenannten Übermenschen.

Der Transhumanismus geht davon aus, dass der homo sapiens sapiens wie der Neandertaler ausstirbt und deswegen der Mensch selbst Hand am Menschen anlegen muss, um sein Überleben zu sichern (Stefan Lorenz Sorgner: Der Übermensch, Schwabeverlag, 2019). Grob teilt er sich in 2 technische Ausrichtungen auf, die eine präferiert die Gentechnik, bei der z.B. mit der Genschere CRISPR-Cas9 Menschen nach eigenen Vorstellungen mit besonderen Eigenschaften entwickelt werden können oder aber mit Technik und KI Cyborgs geschaffen werden können, bzw. das eigene Bewusstsein nach dem Tod auf einer Festplatte oder in einer Cloud gespeichert werden soll.

An den Vorstellungen der Transhumanisten wird schnell deutlich, dass es sich eher um eine Religion mit Endzeitvorstellungen handelt als um eine Philosophie. Die Vorstellungen widersprechen der natürlichen Evolution und der seelisch-geistigen Entwicklung des Menschen, ethische Errungenschaften wie den Humanismus und die Aufklärung oder Kultur will der Transhumanismus abschaffen. Nichtsdestotrotz haben Transhumanisten viel Geld investiert, um ihre Vorstellungen vom Übermenschen, der möglichst mit Unsterblichkeit ausgestattet sein soll, Wirklichkeit werden zu lassen, so könnte z.B. die Genschere CRISPR-Cas9 Erbkrankheiten oder Mutationen aus dem Körper entfernen und ersetzen oder sogar durch lebensverlängernde Genabschnitte aus Tieren ausgetauscht werden, die älter als Menschen werden.

Die Technik ist an einem Punkt angekommen, an dem einige Vorstellungen der Transhumanisten bereits in die Tat umgesetzt werden können und wurden, so immunisierte z.B. der chinesische Wissenschaftler He Jiankui illegal Zwillinge mit der Genschere gegen HIV.

Ist ein ewiges Leben überhaupt erstrebenswert?

Wo fängt der Mensch an und wo hört er auf? Wo ist die Grenze zwischen Medizin oder einer Krücke, wie z.B. einer Brille oder einem Herzschrittmacher, und einer neu geschaffenen Kreatur?

Wie ist es zu bewerten, wenn der Mensch eigene Lebe- oder Mischwesen erschafft, um das Leben zu verlängern oder unsterblich zu werden? Wie wäre ein Leben ohne Krankheiten, Alter, Mängel oder gar ohne Tod?

Will der Mensch wieder Gott spielen? Will er wieder darüber bestimmen, welches Leben lebenswert ist und welches nicht? Wo sind die Grenzen und wer setzt sie? Wann wird die Bevölkerung in die Diskussion eingebunden?

Quellen und weiterführende Literatur:

Gentechnik für Dummies (#Anzeige)

Von Mendel zur Gentechnik: Eine kleine Einführung in die Genetik (#Anzeige)

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https://www.scinexx.de/                                  forschung-und-wissen.de
futurezone.de
Doi: 10.3390/s20133620
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7374399/