Propaganda – Ich zweifle, also bin ich

Propaganda – Ich zweifle, also bin ich, äußerte einst Descartes, bevor er seinen berühmten Satz, seine Ausgangsthese, „ich denke, also bin ich“, folgerichtig ableiten konnte.

Der Zweifel ist das eigentliche Kernstück von Descartes These, denn denken können viele auch im Kreis oder stur geradeaus, ohne den Blick nach rechts oder links zu wenden.

Propaganda: Das zweifelnde Ich, das des Denkens fähig ist

Descartes, das Denken, das Zweifeln und das Sein

Die propagandistische Phrase „die Wissenschaft sagt …“ ist ein Paradoxon.

Die Wissenschaft sagt nichts Feststehendes, sie stellt Thesen auf, Antithesen und Synthesen und versucht sich damit einer Wahrheit anzunähern, sie zeichnet hier einen kleinen Ausschnitt einer Wirklichkeitskonstruktion, nicht einmal die Wirklichkeit oder die in sich geschlossene Wahrheit selbst, diese haben zu viele Facetten, um vom Menschen erfasst zu werden, selbst dann, wenn es sich aus heutiger Sicht um gute, überprüfbare oder messbare Wissenschaft handelt.

Die Wirklichkeit ist lediglich ein Konstrukt, auf das sich bestimmte Gruppen geeinigt haben, sie hat mindestens drei Bedingungen, die Sprache, die Beobachtung und die Kultur.

„Ich denke, also bin ich“ löst Descartes (#Anzeige) auf in „ich zweifle, also bin ich“, um am Ende seiner Überlegungen wieder beim „ich denke, also bin ich“ anzukommen. Im Rückschluss bedeutet das aber entweder „nur, wenn ich zweifle, bin ich auch“ oder „Denken setzt das Zweifeln voraus“. Wer glaubt (einem anderen, sich selbst) statt zu zweifeln, denkt nicht. Er denkt die Gedanken der anderen, des Vorgedachten, löst sich im anderen, in der Gefolgschaft, in der Masse auf, er ist also noch nicht.

Hier unterscheidet sich das Denken eindeutig vom Glauben, der kein Hinterfragen, keine Leistung, kein Denken, keine Wissenschaft erfordert. Entwicklungspsychologisch handelt es sich hierbei um das noch unausgereifte Denken eines Kindes, das seine Eltern, Lehrer und Erwachsene noch nicht hinterfragen kann.

Ich zweifle, also werde ich

Das frühe Zweifeln im Trotzalter

Ein frühes Zweifeln an der eigenen bisherigen Wirklichkeitskonstruktion und die Unterscheidung zwischen „Ich und Du“, „Ja und Nein“, „Gut und Böse“ lernt ein Kind im Trotzalter, in dem es lernt „ich bin nicht der Mittelpunkt der Welt, um den sich alles dreht“, es gibt auch andere, die ebenfalls etwas wollen. Das kann sich von meinem Wollen unterscheiden. Hier lernt es auch die Unterscheidung zwischen „Ja und Nein“.

Dieser Prozess geht mit viel Wut und Geschrei beim Kind einher, weil die Umgebung zu manchen Bedürfnissen, zum eigenen Willen „Nein“ sagt, das Kind lernt nach der permanenten symbiotischen Versorgung durch die Eltern, eine neue Wirklichkeit kennen, es hat sich der Wirklichkeitskonstruktion der Erwachsenen einen Schritt angenähert und gleichzeitig beginnt es sich langsam aus der Symbiose zu lösen, eine eigene Wirklichkeit und einen eigenen Willen zu entwickeln, die unabhängig von den Eltern sind.

Das Kind entwickelt ein einfaches Weltbild und spaltet die Welt in Gut und Böse auf, z.B. der Papa ist böse, weil er mir den Lutscher nicht gegeben hat, die Mama ist lieb, sie hat mir den Lutscher gegeben.

Ich zweifle und hinterfrage, also werde ich – Nietzsches Löwe

In der Pubertät führt diese Phase dann mit etwa 14 Jahren zu einem ernsthaften Hinterfragen der Eltern und Erwachsenen, bei Nietzsches „Mann mit der Laterne“ entspricht das der Phase des Löwen auf dem Weg der Menschwerdung.

Propaganda, Trotzalter und Kultur

Auf kultureller Ebene ist auf der Entwicklungsstufe des Trotzalters das Schwarz-Weiß-Denken anzusiedeln, das die Propaganda zum Durchsetzen ihrer Agenda oder im Krieg pp. zur Manipulation nutzt oder Autoren im Kitsch-Roman, im Western pp. zur Bildung eines rudimentären Menschen- und Weltbildes.

Faschismen und andere autoritäre Staatsformen bedienen sich dieses Schwarz-Weiß-Denkens, „Ich/meine Partei und meine/unsere Gefolgschaft sind die Guten. Die anderen, die Kritik an uns üben, anderen Idealen oder Werten folgen, einer anderen Ethnie oder Religion angehören oder biologisch anders sind, weil sie z.B. keine Genversuche an sich haben vollziehen lassen, sind die Bösen“.

Faschismus, Totalitarismus und Krieg funktionieren nicht ohne den Rückgriff auf die frühen Entwicklungsstufen des Lebens und der Kultur mit Hilfe von Propaganda.

Propaganda und Emotionalisierung

Der Rückgriff auf diese frühen Stufen der Entwicklung gelingt den Herrschenden in der Regel durch eine dramatische Emotionalisierung der Masse, häufig geschieht das durch Endzeiterzählungen wie „wir werden vernichtet, wenn wir nicht dies oder jenes tun“, im Rahmen der Propaganda, die Herrschenden bündeln die Masse, indem sie Gefühle von Angst oder Wut in einer Gesellschaft zum Eskalieren bringen, um sie danach hinter sich als Führungspersonen zu vereinen. Das funktioniert auch mit positiven Gefühlen, findet aber seltener Anwendung.

Das Bündeln positiver Gefühle

Ein Beispiel für das Bündeln positiver Gefühle in der Propaganda war Merkels „Willkommenskultur“, die viele Ehrenamtliche auf den Plan rief, auch solche, die sonst ohne jede Gefühlsregung oder einen Akt der Menschlichkeit an einem Obdachlosen oder bereits länger hier lebenden Flüchtling vorbeilaufen und die auch nicht darüber nachdachten, dass es doch Merkel war, die von der Leyen erlaubte, Syrien völkerrechtswidrig mit Frankreich zu überfallen, ohne diesen Gewaltakt hätte es die Flüchtlingskrise vielleicht nie gegeben.

Ohne das Bündeln der Masse mit Hilfe von Propaganda zur Aktivierung von Ehrenamtlichen wäre die Flüchtlingskrise in einem Desaster geendet mit verhungernden und erfrierenden Flüchtlingen mitten in Deutschland.

Negative Gefühle in der Propaganda

Ich zweifle, also bin ich

Die Klaviatur des Bedienens negativer Gefühle liegt jedem autoritären Staat und jedem Krieg zugrunde. Jetzt können die einstigen Werte einer Gesellschaft auf den Kopf gestellt werden. Und tatsächlich verrücken die Ismen (Autoritarismus, Faschismus, Totalitarismus) nicht nur Werte etwas nach rechts oder links, nach oben oder unten, sondern sie stellen sie vollständig auf den Kopf, aus Schwarz wird Weiß und aus Weiß Schwarz, jetzt kann das Glauben, Gehorchen, das Ausschließen der Anderen, die Jagd auf die Anderen, der Krieg … beginnen.

Nur der Zweifel am massenhysterischen Denken im Sinne Descartes lässt hier ein Hinterfragen zu, eine Besinnung auf sich und die eigenen Werte, ein Denken, also bin ich.

Ich denke, also bin ich (#Anzeige), ich bin nicht die Masse oder das Gefolge, weil ich gezweifelt habe und mich besinnen und denken konnte.

Warum wird die Wichtigkeit des Zweifels im Denkakt bei Descartes so wenig besprochen?

Ich glaube, das kann sich nun jeder selbst beantworten, das Denken ohne Zweifel ist auch im Kreis möglich oder in Gefolgschaft eines Führers. In diesen Fällen führt das Denken aber nicht zum Sein, sondern zum Schein, zur Auflösung des Ichs in der Masse oder in Gefolgschaft.

Denken heißt Nein sagen – Derrida

Derrida geht hier noch einen Schritt weiter „Denken heißt Nein sagen“ (#Anzeige), nicht mehr nur das Bewusstsein des „Neins“, weil ich hinterfragt habe, sondern auch das Aussprechen desgleichen, die Pflicht zur Sprache der Intellektuellen, die aber häufig genau dann versagt und sich ebenfalls anpasst, ohne laut zu denken, öffentlich zu zweifeln, wenn sie am dringendsten benötigt wird.

Das Motto der Ismen, wer spricht, fliegt aus dem öffentlichen Diskurs oder wird strafverfolgt, lässt die Intellektuellen der Masse oder den Herrschern folgen, statt umgekehrt.

Anstatt das Nein im Denken und Sprechen einzuführen und über den Tellerrand des Jas zu schauen, des Glaubens, der Ismen, machen sie sich ebenfalls zur Gefolgschaft der Herrschaft oder der Masse.

Derrida fand heraus, dass bei geschlossenen Behauptungen seine Studenten nicht mehr in der Lage waren, ein Nein überhaupt zu denken. Die Argumentation der Studierenden berief sich ausschließlich auf das Ja, sodass er seinen Studenten mit seiner Vorlesungsreihe „Denken heißt Nein sagen“ beibrachte über den eigenen Tellerand und die eigenen Glaubenssätze zu schauen.

Das Nein zu denken, lohnt sich grundsätzlich immer, auch dann, wenn es bei weiteren Überlegungen wieder in ein Ja münden sollte. Mit dem Zweifel eröffnen sich zwischen den Rändern des Jas und des Neins Welten der Differenzierung, hier befinden sich die Grautöne, die Schätze des Denkaktes, die Möglichkeiten, die Kompromisse, die Lösungen, die niemand aussparen sollte, wenn er von sich behaupten will, er denke oder er sei. Gerade in Zeiten der Umwälzungen, des Chaos und der Ismen ist das wichtiger denn je.

Wenn das Nein verstummt, wenn die Intellektuellen verstummen und sich anpassen, weil Widerspruch und Ungehorsam bestraft werden, so kann jeder aus dem Geschichtsfundus ableiten, die Zeiten werden ungemütlich, Ismen greifen wieder um sich, ob Faschismus, Totalitarismus, Autoritarismus oder weitere Ismen. Jetzt sind zweifeln und denken gefragt.

Die Wirklichkeitskonstruktion in der Propaganda. Homo sacer – Giorgio Agamben

Zeiten von neuen, autoritären Wirklichkeitskonstruktionen sind nahezu immer von politisch ernannten homo sacer (#Anzeige) (das heilige Leben, das getötet werden darf) geprägt, im Sinne Giorgio Agambens. 2020 erklärte die Politik die alten Menschen und das Pflegepersonal zum homo sacer, um die alten Leute im Anschluss ohne Ärzte wie Schwerverbrecher in die Heime zu sperren und alleine sterben zu lassen oder das Pflegepersonal dazu zu nötigen, sich an gefährlichen Menschenversuchen zu beteiligen.

Jetzt sind die LGBTQs als neue homo sacer ernannt worden, bei denen es nur eine Frage der Zeit ist, wann sie wie die alten Menschen und das Pflegepersonal zum Abschuss freigegeben werden. Verbal sind sie das bereits, denn der Neid derjenigen, die die Gefahr, die in der Rolle des homo sacers liegt, nicht erkennen, die Hintergründe nicht kennen, reagieren nur auf den Ismus, der die Herrscher dazu ermächtigt, eine Gruppe über alle anderen Gruppen zu stellen, sie zum Heiligtum zu erklären.

Freiheit ist die Freiheit Nein zu sagen – Derrida

Denken heißt Nein sagen (#Anzeige)- Derrida

Freiheit ist die Freiheit Nein zu sagen, wenn der Staat sukzessive in die persönlichsten Bereiche der Bürger vordringen will und Entscheidungs- und Sprachspielräume immer weiter verengt z.B. wann, wie, womit, mit wem und wohin sich jemand bewegen darf, wie er heizt, wie er isst, wie er atmet, welche Medikamente er einzunehmen hat, was er sagen und denken darf oder ob, was, wo und wie er bezahlen darf, wenn das digitale Geld eingeführt wird und bei Asylbewerbern in manchen Gegenden bereits mit entsprechenden Begrenzungen eingeführt wurde.

Die Konstruktion einer Schwarz-Weiß-Welt in Kindheit, Kultur und Psychopathologie

Propaganda – ich zweifle, also bin ich

Die Welt auf naive Kindervorstellungen der Wirklichkeit zu reduzieren, ist ein klassisches Merkmal von Propaganda, der Werbung und der Lüge, das sollte grundsätzlich aufhorchen lassen. Hier ist sicher eines der wichtigsten Merkmale zu finden, dass etwas faul ist, dass etwas hinterfragt werden sollte, dass ein Nein zumindest überdacht werden sollte.

In der Psychopathologie werden diese naiven Wirklichkeitskonstruktionen des Schwarz-Weiß-Denkens Menschen mit schweren Persönlichkeitsstörungen zugeschrieben, wie Narzissmus, Hysterie und Borderline-Störungen, die häufig in bestimmten Entwicklungsstufen stecken, in denen sie schwere Traumata erlebten, aus dieser Zeit stammen dann ihre Sichtweisen, denen sie auch als Erwachsene wieder anheimfallen.

Offenbar sind aber ganze Gesellschaften für primitive Weltbilder anfällig, schaffen es die Herrschenden übertriebene Gefühle wie Panik oder Hass in der Bevölkerung zu schüren. Das wusste bereits die Massenpsychologie Ende des 19. Jahrhunderts mit Vertretern wie Le Bon (#Anzeige), auf dessen Theorien bereits Hitler seine Herrschaft aufbaute und die die Psychologie später im Experiment wiederfand, wie z.B. im Milgram-Experiment.

Gefördert werden solche Weltbilder auch im Alltag, außerhalb von Umbrüchen, z.B. in vereinfachten Weltbildern in Romanen der Trivialliteratur, der täglichen Nachrichten, einseitiger Talkshows oder einseitiger Berichterstattungen oder durch den Aufbau von Feindbildern. Sie dienen der Erziehung und Beeinflussung des Denkens und Handelns der Masse, wie z.B. im Kalten Krieg oder wenn die eigene Regierung einen Angriffskrieg führen will.

Die wehrhafte Demokratie in der Propaganda

Wenn Regierungen des Westens heute von sich geben, „unsere wehrhafte Demokratie lässt keine andere Meinung zu“, z.B. die einer ungeliebten, kritischen Partei oder die des Auslands, unterstreichen sie damit den widersprüchlichen Charakter ihrer Aussagen, wie auch in „unsere Handlungen sind alternativlos“. Der Durchschnittsbürger, der nicht genau hinhört, nicht überlegt, beginnt sich hinter den Politikern zu vereinen, aufgrund der ausgelösten Verwirrung, die solche Paradoxien im Hirn zunächst hinterlassen, die den Bürger zunächst hilflos zurücklassen, aufgrund der Unverständlichkeit und Widersprüchlichkeit der getätigten Aussage.

Die Aussage ist inhaltlich tatsächlich widersprüchlich, es liegt nicht am Bürger, wenn er hier irritiert ist und nichts versteht. Hier werden mit Absicht Paradoxien in die Welt gesetzt, die es in Wirklichkeit nicht gibt.

Entweder haben wir eine Demokratie, dann sind alle Meinungen zugelassen, die nicht zur Gewalt aufrufen oder wir haben keine Demokratie, dann können andere Meinungen verboten werden, wie im Dritten Reich oder im Stalinismus, in denen auch die Handlungen des Staates stets alternativlos waren.

Das Geheimnis der Demokratie liegt doch in der Freiheit des Sprechbaren und der Handlungen, der Gleichberechtigung aller, im Verhandeln, die Demokratie hat es nicht nötig, sich gegen Meinungen, Satire, Witz oder Kritik zur Wehr zu setzen, Alternativen aus dem Diskurs auszuschließen, sondern lernt aus Kritik und argumentiert und verhandelt auch mit unliebsamen Partnern und Meinungen, findet Kompromisse, statt mit Ausschluss oder Gewalt zu drohen und zu reagieren.

Propaganda als Ermächtigung zur Gewalt

Der Ausschluss aus der Gemeinschaft kann sicher als eine höhere Stufe der Gewalt gewertet werden, da er zum einen schwerer als Gewalt zu erkennen ist als andere Gewaltformen, aber Einzelne oder Minderheiten in ihrer Existenz bedroht, zum einen, weil der Mensch biologisch betrachtet ein Herdentier ist und der Ausschluss aus der Gemeinschaft durch das epigenetischen Gedächtnis Existenzängste auslöst, da Ausgestoßene in der Geschichte immer vom Tod bedroht waren, zum zweiten, weil eine reale Gefahr droht, da sich einzelne aus der der Herrschaft folgenden Masse oder die Herrschaft selbst dazu berufen fühlen, zu Gewalt aufzurufen und/oder sie durchzuführen.

Ich erinnere an ein Plakat auf einer von den Herrschenden organisierten Demonstration, das dazu aufrief, AfDler zu töten. Obwohl es sich hier um einen tatsächlich strafbaren Akt handelte, der Mord oder der Aufruf zum Mord sind nach dem Dritten Reich in Deutschland immer strafbar gewesen, griffen weder Regierung noch Polizei dagegen ein. Sind ehemalige (abendländische) Werte im Rahmen eines Schwarz-Denkens erst einmal auf den Kopf gestellt, ist der Barbarei wieder Tür und Tor geöffnet.

Handelt es sich also bei der Staatsform nicht um eine Demokratie, muss sich ein Staat mit Gewalt gegen andere Meinungen, andere Perspektiven anderer Länder oder Parteien und Kritik wehren. Darin liegt das Paradoxon der Aussage, das undurchschaut zu Verwirrung und Hilflosigkeit führt. Hilflosigkeit und Verwirrung fördern aber das Bedürfnis nach starken Führern, was jedem autoritären Staat zugutekommt.

An welchem Punkt stehen wir, fragte Giorgio Agamben (#Anzeige), einer der größten Totalitarismusforscher, bereits 2020, als plötzlich wie in alten Zeiten mit Notstandsgesetzen durchregiert wurde. Es gab sie, die Intellektuellen, die sich noch trauten zu denken und zu zweifeln, doch sie waren rar gesät. „Es gibt kein Recht zu gehorchen“, forderte Hannah Arendt nach dem Zweiten Weltkrieg und appellierte damit an künftige Generationen, zu denken, Nein zu sagen und autoritären Strömungen nicht zu gehorchen.

Propaganda funktioniert nur dort, wo nicht gedacht wird

Wann sollte ich zweifeln? Wie schütze ich mich vor Propaganda?

Alle Menschen sind grundsätzlich anfällig für Propaganda, die einen mehr, die anderen weniger. Niemand kann alles hinterfragen, deswegen ist der Mensch auch in weiten Teilen auf den Glauben angewiesen, erst glaubt er den Eltern, dann den Lehrern, später Intellektuellen oder Wissenschaftlern. Das ist normal, doch woran erkennt einer, wann er zweifeln und hinterfragen sollte? Bereits Hitler benutzte „die Wissenschaft“ für seine Menschenversuche.

Spätestens, wenn die Rechte ohne dass ein (echtes) Verbrechen begangen wurde, eingeschränkt werden oder das eigene Geld in die Taschen anderer gefüllt wird. Das sind sichere Anzeichen, dass etwas faul im Staat ist oder auch in einer Beziehung anderer Art. So, wie es Heiratsschwindler oder betrügerische Banden gibt, so gibt es auch in der Politik und in der Wirtschaft Betrug. Das ist nichts Neues, gerät aber manchmal in Vergessenheit.

Es gibt einen guten Grundsatz, auf den jeder aufbauen kann: „Wenn du wissen willst, was wirklich passiert, wenn viele Turbulenzen im Vordergrund stehen, die Medien und die Politik zu beherrschen scheinen: Schau, wohin das Geld fließt und was im Hintergrund passiert.“

Die Konstruktion der Wirklichkeit – Propaganda
Nur, wenn ich an der Propaganda zweifle, bin ich

Nur weil Wirklichkeit grundsätzlich immer konstruiert ist, ist es möglich, Demokratien von heute auf morgen umzustürzen und ein neues staatliches Konstrukt aufzubauen, sie in den Faschismus oder Totalitarismus zu führen. 1933 und 2020 passierte das z.B unter Zuhilfenahme von Notstandsgesetzen in Kombination mit dem Schüren von Angst.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Wie unterschiedlich die Wirklichkeiten der Menschen sind, zeigt bereits der Blick auf die Geschichte des eigenen Landes oder der Blick auf andere Länder. Sie unterscheiden sich schon in ihren Höflichkeitsfloskeln, Begrüßungsformeln oder wie viel Abstand zum anderen als höflich oder unverschämt gilt. Wie bedrängt wir uns fühlen, merken wir bereits, wenn uns ein Fremder so nahe auf den Leib rückt, wie ein guter Freund oder Verwandter. In anderen Ländern kann dieser Abstand durchaus der Abstand der Höflichkeit und des Respekts sein und unser Zurücktreten dann als unhöflich gelten. Das kann bereits zu Spannungen führen, wenn beiden Seiten nicht bewusst ist, was da passiert.

Das ist es in der Regel nicht, weil sich der Abstand zum Fremden in den unterschiedlichen Kulturen auf der emotionalen, nicht auf der Bewusstseinsebene abspielt, der eine fühlt sich bedrängt, der andere durch das Zurücktreten des vermeintlich Bedrängten beleidigt oder abgelehnt. Das kann bereits zu Spannungen, Konflikten und Ablehnung führen.

Propaganda kann Sprache, Normen und Gesetze sprengen

Sprengt ein Staat solche oder andere Normen und die Bevölkerung folgt, kann er auch die Gesetze sprengen. Normen, Sprache und Gesetze, ein anderer Umgang miteinander, ändern sich normalerweise langsam, sie ergeben sich automatisch aus der Entwicklung der Bevölkerung und der Kultur. So führte meine Generation in der Jugend z.B. das „Hallo“ als Begrüßungsform ein. Heute ist diese Begrüßung normal geworden, damals führte sie noch zur Empörung bei den Erwachsenen.

Wird aber von oben eingegriffen und z.B. das Händeschütteln verboten oder das Umarmen, der kulturelle Abstand zum Anderen geändert, wird die Sprache künstlich abgeändert, handelt es sich um autoritäre Maßnahmen, die nicht natürlich aus der Weiterentwicklung der Kultur entstanden sind.

Die Kriegsenkelgeneration hatte bereits ein größeres Bedürfnis nach Nähe und führte deswegen saloppe Grußformeln im eigenen Umfeld ein, als die Kriegskindergeneration, die sich andere noch durch ein tiefes Misstrauen mit förmlichen Grüßen vom Leib halten wollte. Das führte damals zunächst zu Spannungen zwischen den Generationen bis das „Hallo“ zum Alltag wurde.

Elitäre, autoritäre Sprache und Propaganda

Heute gelten ein kleiner Wortschatz, vereinfachte Grammatik, das Wegfallen des Genitivs und kurze Sätze sowie die vielen Anglizismen und das Gendern als woke und wurden vielfach künstlich autoritär auferlegt. Es entstand dadurch wenig bis kein Gewinn, dafür viel Verarmung und Verunstaltung der Sprache, die in weiten Teilen trotz Vereinfachung zu immer mehr Unverständlichkeit führt.

Wer die elitäre, verunstaltete Sprachkultur nicht unterstützt, macht bisher einfach bei der Sprachvergewaltigung nicht mit, obwohl sie im Rahmen der Krise autoritär auferlegt werden sollte. Bestimmten Gruppen wird sie aber aufgezwungen, wie Studenten oder Beamten. Migranten, Flüchtlingen, Kindern und Behinderten wird so das Sprachverständnis noch erschwert, sie werden von den selbst ernannten Eliten einerseits bewusst ausgegrenzt, andererseits lernen sie kein richtiges Deutsch mehr.

Zum Glück macht der größte Teil der Bevölkerung hierbei nicht mit, zweifelte die angeblich edlen Motive zurecht an, und integriert die Schwächsten einer Gesellschaft dadurch weiterhin.

In denjenigen, die bei den neuen Sprachregelungen ohne Not mitmachen, kann man die treue Gefolgschaft der Herrschaftsklasse erkennen, die entweder ohne zu denken mitmacht oder aber sich Vorteile durch das Nachahmen der elitären Sprachregelung erhofft.

Veränderung von Sprache, Ritualen, Begrenzungen und Werten durch Propaganda

Der beste Boden für Veränderung, Faschismus und Totalitarismus ist gelegt mit der Beschäftigung des Einübens von neuen Ritualen, neuer Sprache, den neuen Begrenzungen des Sprechbaren und neuen Werten. So wird die Bevölkerung davon abgelenkt, wohin ihr Geld fließt und welche Gesetze hinter ihrem Rücken abgeschlossen werden, denn die neue Staats-Wirklichkeit brav zu erlernen ist anstrengend genug.

Propaganda – Werte müssen auf dem Kopf stehen

An diesem Punkt können auch die Werte leicht auf den Kopf gestellt werden.

Wieso werden Werte nicht einfach nach rechts oder nach links verrückt, sondern auf den Kopf gestellt?
Vermutlich, weil sie so leichter einzuprägen sind und zum Zweiten, weil so weiterhin das Schwarz-Weiß-Schema bedient werden kann, auch die Herrschenden müssen dann wenig hinzulernen.

Wenn aus aufgenötigten Menschenversuchen (Zwang) Freiheit wird, aus der Isolationsfolter von alten Menschen in Heimen Schutz, dann wird es beim Denken ohne zu denken, am fehlenden Zweifel der Richtigkeit der neuen Werte, der Bevölkerung sehr leicht gemacht, sich die neu erschaffene Wirklichkeit mit den neuen Werten einzuprägen.

Wenn aus Menschen, die unser Grundgesetz hochhalten und sein Einhalten einfordern, plötzlich Nazis und Faschisten werden, dann haben bereits Demokratie und Faschismus ihre Position und ihre Bewertung getauscht.

Ich zweifle am Schein und finde das Sein – Propaganda

Homo Sacer durch Denken erkennen

Denken heißt hier auch den Schein aufzudecken, den Schein in mir, den Schein in dem anderen.

In jeder Erhöhung steckt immer auch eine Abwertung. Stelle ich also einen anderen oder eine Gruppe über mich, werte ich mich selbst ab, umgekehrt genauso, dann werte ich die anderen ab und erhöhe mich selbst-

Legt der Staat solche Aufwertungen und Abwertungen bestimmter Bevölkerungsgruppen an den Tag, erhöht er z.B. die Alten, das Pflegepersonal, LGBTQs oder die Ukrainer und stellt sie über die Bevölkerung, z.B. indem er nicht die alle gleichberechtigt verbindende deutsche Fahne, sondern die Fahnen bestimmter Minderheiten hissen lässt, handelt er a) aus rassistischen, menschenverachtenden Motiven und b) aus dem Bestreben die Bevölkerung zu spalten, um die eigene Macht zu stärken und c) schafft er homo sacer, die zunächst auf ein erhöhtes Podest gestellt werden, um sie danach zum Abschuss freizugeben.

So etwas geschieht nicht zufällig, sondern ist Teil von faschistischen Staaten. Es lenkt die Aggression vom faschistischen Staat weg auf eine bestimmte Gruppe der Bevölkerung. Hier zielen die Herrschenden auf Gefühle wie Neid und verletztes Gerechtigkeitsgefühl ab, die wiederum Angst und Wut in den Anderen, Abgewerteten auslösen und im schlimmsten Fall zum Bürgerkrieg führen können, zumindest aber zu Spannungen, Ängsten und Spaltungen in der Bevölkerung.

Verstärkt wird das Ganze heutzutage mit Trollfabriken, die in den sozialen Netzwerken, Witze oder Beschimpfungen oder auch die Erhöhungen von Minderheiten teilen und echte Menschen dazu anstiften, es ihnen gleich zu tun. Für Menschen, die den Schein nicht hinterfragen, sind hier viele Fallen. aufgestellt. Der angebliche Rechtsruck scheint Wirklichkeit zu werden, aus dem Erhöhten wird der Verfolgte und umgekehrt, zumindest in den Köpfen der Menschen.

Angefeuert wird der homo sacer (#Anzeige) von Medien und Politik, die z.B. Auftritte von LGBTQs aus dem Rotlichtmiliieu in Schulen oder Kindergärten fördern, Massenvergewaltigungen von Kindern und jungen Frauen und Messerattacken gegen die bunte Zivilgesellschaft durch eingewanderte Terroristen eisern als richtig verteidigen und ohne ernsthafte Konsequenzen lassen. Auch hier wurden homo sacer geschaffen, heilige Leben, die getötet werden dürfen.

Propaganda und Wirklichkeitskonstruktion

Die Propaganda zu verschiedenen Themen, die Strategien, die Fallen und die unterschiedlichen Wirklichkeitskonstruktionen, die in der Regel nicht viel mit der Wahrheit zu tun haben, können nur mit Zweifel und Denken erkannt und überwunden werden mit dem Abgleich der Realität draußen, mit der Besinnung auf das eigene Sein und das des anderen, mit dem Abgleichen der eigenen und der abendländischen Werte oder der Werte des Grundgesetzes.

Um beim Beispiel „AfDler ausgrenzen oder töten“ zu bleiben, muss hinterfragt werden, entspricht es wirklich meinen Werten, dass bestimmte Gruppen oder Parteien aus der Gemeinschaft ausgeschlossen oder getötet werden dürfen, nur weil sie eine andere Meinung als die Herrschenden haben, diese kritisieren und deswegen zum Abschuss freigegeben werden?

Propaganda: Wirklichkeitskonstruktion und Barbarei

Abschlussworte

Auf den Schauplätzen der neuen Wirklichkeitskonstruktionen wird an allen Ecken und Enden der Köder der Barbarei ausgelegt. Manche haben ihn bereits geschluckt, grenzten Ungeimpfte aus, wollen gegen Russen in den Krieg ziehen, denunzieren Kritiker beim Berliner Register, sprechen sich gegen Muslime aus oder fordern bereits einen Staat, der alles kontrolliert und vorschreibt und jeden Abweichler, jeden Zweifler, jeden Denker ausschließt.

Solchen Menschen fehlt der Mut zum Denken, zum Zweifeln, zum Sein. Sie benötigen das Lob des Staates, die Bestätigung zu den Guten zu gehören, um den Anschein eines Seins zu erhalten.

Diese Menschen haben längst vergessen, dass das Sein, das Denken und das Gute nur in sich selbst zu finden sind und dass dies alles kein Staat der Welt für sie übernehmen kann. Das ist schon in der Vergangenheit immer schief gegangen.

Aus der Reihe Propaganda: Propaganda im Dritten Reich

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Macht und Wahrnehmung

Uneindeutige Machtverhältnisse und das Spiel mit der Wahrnehmung

Macht und Freiheit

Macht und Wahrnehmung: Überall, wo soziales Leben stattfindet, findet auch Macht statt. Tatsächlich scheint, unabhängig vom Willen zur Macht (Nietzsche), Macht auch notwendig zu sein, um eine soziale Ordnung zu schaffen und mit der sozialen Ordnung Wohlbefinden und psychische Gesundheit.

Bateson u.a. untersuchten die Bedingungen in Familien, in denen ein oder mehrere Kinder an Schizophrenie erkrankten, ein besonderes Merkmal dieser Familien war, dass es keine geregelten Machtverhältnisse gab, kein Familienoberhaupt. Die Rolle des Familienoberhauptes fällt bei günstigsten Bedingungen zur Entwicklung der Kinder beiden Eltern zu, in noch nicht schädigenden Familien einem der beiden Elternteile.

In Familien ohne Hierarchie kämpfen im Grunde alle Familienmitglieder täglich aufs Neue um die Macht, z.B. wird täglich diskutiert, wer das größte Stück Fleisch bekommt oder am Tischende (Platz des Familienoberhauptes) sitzen darf.

In der westlichen Welt begünstigt also die Abwesenheit von Hierarchien in der Familie eine schwere psychische Störung bei einem oder mehreren Kindern, die mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen einhergeht (in anderen Ländern/Kulturen wird der Fokus eher auf die besonderen Fähigkeiten dieser Menschen gelegt).

Kindliche Bedürfnisse nach Sicherheit, Geborgenheit und Ordnung können in solchen Familien nicht befriedigt werden, da das Kind mit den Eltern und Geschwistern um die Machtrolle kämpft, so sind permanente Niederlagen vorprogrammiert, da Eltern objektiv betrachtet mächtiger sind als Kinder.

Durch das Negieren der tatsächlichen Machtverhältnisse über die gesamte Entwicklung wird systematisch die Wahrnehmung der Kinder verzerrt, was später zu Wahnvorstellungen und Halluzinationen führt.

Uneindeutige eindeutige Machtverhältnisse oder das Spiel mit der Wahrnehmung

Macht und Wahrnehmung

Macht und Gewalt sind heute diffuser denn je, Macht wird vermutlich ohne Gewalt nie funktionieren, ob die moderne abstrakte  seelische Gewalt wirklich humaner ist als physische, dieser Frage will ich mich in meinem Essay nach und nach nähern.

Im ersten Essay betrachtete ich im Gegensatz zum Beispiel oben zwar geregelte, aber wahrnehmungsundeutliche Machtverhältnisse. Dort betrachtete ich die Hierarchiemuster von nicht gleichberechtigten Paaren und riss bereits kurz an, warum diese zum Scheitern verurteilt sind. Traditionelle, nicht gleichberechtigte  Beziehungen bauen die Basis ihrer Beziehung in der Regel  auf folgende Rollenmodelle auf:

Herrscherrolle: Dienerrolle
Elternrolle: Kindrolle
oder die Rollen kreuzen sich:
Herrscherrolle: Kindrolle
Elternrolle: Dienerrolle

Zur Vertiefung verweise ich auf mein erstes Essay: Macht dienen glücklich oder mächtig? Langfristig ist so keine Liebesbeziehung aufrecht zu erhalten, denn nimmt einer der Partner die Dienerrolle an, verliert der andere den Respekt, nimmt einer die Kindrolle an, ist durch Entmännlichung/Entweiblichung und Inzesttabu langfristig keine erotische Liebe möglich.

Untersuchen wir weiter, wie Dienende Macht ausüben. Ein Mittel Macht auszuüben sind die sogenannten Dummspiele (Eric Berne: Blöd-Spiel, Schlehil). Da die dienende Rolle früher der Frau zugeschrieben wurde, wies ich bereits darauf hin, wie in sogenannten Eheratgebern der Frau geraten wurde, dem Mann keinesfalls zu zeigen, dass sie intelligenter ist und bestimmte Dinge besser kann als er. So befriedigt sie einerseits seinen Narzissmus, andererseits kann sie so unbemerkt, die Fäden in der Hand halten und die Kontrolle über die Familie sowie über ihn ausüben.

In der Psychopathologie/Transaktionsanalyse werden die heute zum Teil unbewussten Dumm-Spiele vor allem depressiven und hysterischen Menschen zugeordnet, beide Erkrankungen gelten als sogenannte Frauenerkrankungen, wobei sich durch zunehmenden Leistungsdruck und fortgeschrittene Emanzipation, diese immer weniger als klassische Frauenkrankheiten deklarieren lassen: Frauen werden narzisstischer, Männer hysterischer und depressiver.

Während Eric Berne in erster Linie davon ausgeht, Dummspieler wollten nicht dazu lernen, vertrete ich eher die These, Dummspieler wollen Kontrolle und Macht über andere, denn Folgendes ist zu beobachten: Andere übernehmen die Aufgaben des Dummspielers, er hat nicht selten eine „Horde Dienende“ um sich. Um bei den traditionellen Rollen zu bleiben, haben z.B. Männer, die Dummspiele beherrschen häufig Mutter, Schwester und/oder Frau/Freundinnen, die sie bekochen, ihre Wäsche waschen, ihre Kinder hüten etc., während Frauen oft Mann/Freund/ Verehrer haben, die ihnen Glühbirnen oder Abflussrohre austauschen, die Wände streichen usw.. In erster Linie geht es hier häufig um  Arbeiten, die auch unterdurchschnittlich begabte Menschen gut erledigen können, also um Arbeiten, die zwar unangenehm sein mögen, aber nicht schwierig sind. Dummspiele werden also benutzt, um Befehle zu erteilen und den Befehlsempfängern die Möglichkeit „nein“ zu sagen zu nehmen. Macht und Wahrnehmung der Macht unterscheiden sich hier, da der Mächtige der unterlegen scheinende Dummspieler ist.

Des Weiteren geht es hier natürlich auch darum, insbesondere bei den klassischen Dummspielen, die alten Rollenverteilungen und Abhängigkeiten aufrecht zu erhalten, obwohl sie überflüssig geworden sind. Das mag zum Teil traditionelle Hintergründe haben, sichert aber auch eine Position in der heutigen Zeit, die durch die vielen Neuerungen für große Verunsicherung im eigenen Rollenbild sorgt und neue Lebensmodelle fordert: Neues macht immer auch Angst, also wird an den alten, überflüssig gewordenen Rollenbildern festgehalten.

Macht durch Dummspiele

Macht und Wahrnehmung

In einer (scheinbar) unterdrückten Rolle, im Beispiel oben die Dienerrolle oder die Kindrolle, können durch Dummspiele (Eric Berne) Machtverhältnisse verschoben oder sogar umgekehrt werden.

In klassischen Beziehungen sehen Dummspiele häufig folgendermaßen aus: „ich bin zu dumm, um einen Nagel in die Wand zu schlagen, zu kochen, zu putzen oder waschen, eine Glühbirne einzuschrauben oder eine Bohrmaschine zu benutzen, ein Abflussrohr auszutauschen usw. Tatsächlich gibt es Menschen, die sich auf diese Weise ihre gesamte Macht über andere sichern, sie besitzen häufig einen ganzen Trupp an Dienenden. In den Gegenübern tauchen manipulierte Gefühle wie Verantwortung, Stärke, Hilfsbereitschaft auf, sie implizieren ihnen Macht, die in Wirklichkeit beim Dummspieler liegt, der so das Handeln der anderen bestimmt und niedere Arbeiten verteilt, die er selbst nicht erledigen will.

Das Dummspielen gehört zur Kategorie „Macht durch Täuschung, List und Manipulation“, in vielen Machttheorien wird bei schwer durchschaubarer Gewalt eine Gewaltfreiheit angenommen, die es aber nicht gibt, Menschen, die das Dummspielen gut beherrschen, halten sich häufig eine ganze Gruppe Unterworfener, die alle ungeliebten Arbeiten für sie verrichten, weigert sich jemand die auf diese Weise erhaltenen Arbeitsanweisungen auszuführen, so wird der erpresserische, gewalttätige Hintergrund deutlich durch Machtkämpfe, Druck ausüben auf das Gewissen des anderen usw.

Macht durch Dummspiele gibt es überall, so halten sich auch manche Arbeitnehmer ungeliebte Arbeiten damit vom Hals oder Frau Merkel die Verantwortung für die NSA-Affäre: „Das Internet ist immer noch Neuland“ (inhaltliches Zitat). Hier griff Frau Merkel in die weibliche Trickkiste ich bin zu dumm, um technische Zusammenhänge zu verstehen, denn ich habe das Internet nach Jahrzehnten immer noch nicht begriffen, ist die dahinterliegende Botschaft zur Machtsicherung, die vor allem von einer immer noch patriarchalisch geprägten Arbeitswelt in Deutschland gerne geglaubt (und verziehen) wird, obwohl Frau Merkel Physikerin ist und selbstverständlich wesentlich umfassendere technische Zusammenhänge versteht als der größte Teil der Bevölkerung. Sie implizierte hier, jedem PC-Nutzer scheinbar unterlegen zu sein, das kam der immer narzisstischeren Bevölkerung entgegen, die sich nun in einer überlegenen Rolle glaubte und nicht mehr an Frau Merkels Macht kratzte, obwohl sie sich weiter ihrer Verantwortung im NSA-Konflikt nicht stellte und nicht für die Einhaltung unserer Grundrechte sorgte. Ein weiterer PR-Gag von Frau Merkel war der Skandal, um ihr abgehörtes Handy, denn der Skandal um die Abhöraffäre war nicht, das Abhören von Poltikern und Wirtschaft, dafür sind Geheimdienste ganz offiziell eingesetzt, sondern das Abhören von unbescholtenen Bürgern, hier implizierte sie einerseits, wir sitzen alle in einem Boot, andererseits sicherte sie damit ihre Macht, indem sie die Bedrohung der Affäre von der Bevölkerung auf sich lenkte.

Dummspieler greifen also in die Trickkiste, um wahre Machtverhältnisse zu verschleiern, zu leugnen, verzerren die Wahrnehmung anderer, um Macht zu erhalten oder zu sichern, sie manipulieren und täuschen ihre Umwelt, stellen sich als Opfer dar und beklagen den „Ungläubigen“ als Täter, wenn sie jemand durchschaut und ihre Anweisungen nicht befolgt, um sich weiterhin die Macht des Umfeldes zu sichern. Sie sind herrschsüchtig und dulden keinen Widerspruch, haben also ein hohes Maß an Gewaltbereitschaft, auch wenn sie in der Regel keine physische Gewalt anwenden.

Die Macht der Gutmenschen und des Helfersyndroms

Macht und Wahrnehmung – das Spiel mit der Macht

Der Begriff Gutmensch hat einen negativen Beigeschmack und das nicht zu Unrecht. Dem Gutmenschen geht es nicht um eine moralisch korrekte Handlungsweise, die anderen objektiv hilft oder sie weiterbringt, auch Gutmenschen geht es um Macht durch Manipulation. Ein Mensch, der tatsächlich Gutes bewirken will, muss sich ständig hinterfragen, sich häufig unbeliebt machen, um ein Problem zu lösen, um Fortschritt in einer Situation, einer Sache oder bei einer anderen Person/Gruppe zu bewirken. Dem Gutmenschen geht es aber nicht um gute Taten, Entwicklungen und Lösungen, sondern um eine große Anhängerschaft, Zugehörigkeitsgefühl und Macht. Er besitzt eine hohe soziale Intelligenz, nutzt gesellschaftliche Vorurteile, was gut sei, aber in ihrer Konsequenz häufig Schlechtes bewirken kann.

Gutmenschen neigen z.B. zu einem Zuviel an Fürsorge, nutzen ein Helfersyndrom oder Geld, um andere in Abhängigkeit zu halten, in Unterdrückung, sie sichern sich ihre Macht über andere nicht nur durch die Unterdrückung, das Kleinhalten des anderen, sondern zusätzlich durch die Anerkennung der Gesellschaft, die sie durch ihre scheinbar „guten Taten“ erhalten.  Nach außen spielen sie häufig eine Märtyrerrolle, was ihnen zusätzliche Macht sichert. Sie verzerren die Wahrnehmung des Abhängigen und die der Umgebung, um Macht zu erzielen und zu sichern, dabei bedienen sie sich gesellschaftlicher Vorurteile oder Moden. Auch hier steht massive psychische Gewalt im Hintergrund, man stelle sich vor, der Unterdrückte würde ausbrechen wollen, er hätte nicht nur den Gutmenschen gegen sich, sondern auch das gesamte manipulierte Umfeld. Gutmenschen greifen hier zu kulturell oder politisch anerkannten Handlungsweisen, die in ihrer Konsequenz aber negative Auswirkungen haben können. Der Gutmensch und sein Umfeld hinterfragen seine Taten nicht, so lässt es sich auch erklären, wieso aus Demokratien immer wieder Diktaturen oder totalitäre Staaten wurden. In diesem Fall bestimmen die Regierenden was gut sei und ignorieren die fatalen Folgen für die Bevölkerung und ihre Opfer. Das den Menschen innewohnende Bedürfnis gut sein zu wollen, führt sie dann durch Manipulation leicht zum Gutmenschentum und lässt sie im Sinne des scheinbar Guten auch Grausames tun.

An den Beispielen der Dummspieler und Gutmenschen wird deutlich, dass wahre Machtverhältnisse verschleiert und vertuscht werden können, Macht durch Täuschung, Verdeckung und List ausgeübt werden kann, die dahintersteckende Gewalt ist aber nicht nicht vorhanden, sondern so massiv, dass der Unterdrückte sich durch die Wahrnehmungsverschiebung nicht oder nur sehr schwer aus der Unterdrückung lösen kann. Ein physisch Misshandelter merkt die Misshandlung durch die direkte Gewaltanwendung, den hervorgerufenen Schmerz, der Manipulierte aber ist so diffuser Gewalt ausgesetzt, dass er diese kaum benennen und sich in Folge auch nur sehr schwer daraus befreien kann und häufig den Eindruck gewinnt, sein Schmerz sei verkehrt, was ihn in eine noch abhängigere, unterdrücktere Position bringt. Hier sind die Machtverhältnisse zwar analytisch eindeutig, jedoch für Betroffene und Umfeld schwer zu erkennen. Es handelt sich hierbei um Macht durch List Täuschung, Manipulation, bzw. um Macht durch Wahrnehmungsverzerrung, (übertragen ins Politische z.B. durch einseitige Berichterstattung erhaltene/gesicherte Macht, Verkehrung von Werten in ihr Gegenteil pp.). Anhaltende Wahrnehmungsverzerrungen können zu psychischen Erkrankungen beim anderen führen, die Folgen müssen die Betroffenen häufig  jahre- bis lebenslang ausbaden.

Es gibt aber auch tatsächlich Begegnungen mit unklaren Machtverhältnissen, objektiv betrachtet ist die Macht hier nicht vorhanden, die Partner sind gleichberechtigt oder die Machtverhältnisse (noch) unklar, bzw. noch nicht austariert.

Erst das Wissen um die Wahrnehmung des anderen kann die Machtverhältnisse ändern.

Macht durch Ausbeutung

Denkbar ist ebenfalls, dass sich in Begegnungen der Macht, beide als mächtig erleben und überlegen fühlen, obwohl es sich um die gleiche objektive, objektiv im Sinne von sinnlich wahrnehmbar, Situation handelt.

Freier             Ausbeutung                  Prostituierte

Durch das Thema Ausbeutung, das Freier und Prostituierte vereint, kommt es in Folge zur Machtfrage, zur Frage, wer beutet wen aus. Objektiv betrachtet, dürfte es sich um eine gegenseitige Ausbeutung handeln. In der Wahrnehmung beider sieht das aber häufig anders aus, wobei beide die gleiche oder eine unterschiedliche Wahrnehmung haben können:

Der Freier gibt (Geld, Geschenke)  Ô Prostituierte beutet aus

Der Freier kauft (die Frau)  Ô Prostituierte lässt sich ausbeuten

Im ersten Beispiel ist die Prostituierte die Mächtige, sie nimmt Geld oder Geschenke für »Leistungen«, die normalerweise aus Zuneigung, Sympathie und Gefallen gegeben werden, im zweiten Beispiel ist der Freier der Mächtige, der mit Geld die Prostituierte kauft (ausbeutet).

Durch das Thema der Ausbeutung kommt also in das zunächst objektiv gleichberechtigte Geschäft, die Machtfrage, die Frage der Unterwerfung mit ins Spiel. Auch hier sind wieder verschiedene Kommunikations-/Wahrnehmungsmuster denkbar:

F: Ich bin der Mächtige, weil ich dich kaufen kann

F: Frauen beuten mich nur aus, ich muss immer bezahlen

F: Frauen beuten mich nur aus, ich muss immer bezahlen

P: Ich bin die Mächtige, weil du ohne Gegenleistung nichts von mir erhältst und ich bestimme

P: Männer sehen nur ein Objekt in mir

P: Ich bin die Mächtige, weil du ohne Gegenleistung nichts von mir erhältst

Wenn beide Parteien ihre Position nicht kommunizieren, so kann das Geschäft äußerlich gleichberechtigt bleiben, sofern es sich um ein kurzes Geschäft handelt, in einer Prostitutionsehe/-beziehung werden die Machtverhältnisse irgendwann deutlich und können wie bei einem gewöhnlichen Paar auf beiden Seiten liegen. Befinden sich beide in ihrer Wahrnehmung in der überlegenen Position, so kommt es zu Machtkämpfen, die wieder eine Hierarchie entstehen lassen in der einer ausbeutet und der andere ausgebeutet wird. Wie diese Hierarchie aussieht, bestimmt vor allem die innerpsychische persönliche Stärke der Mitstreitenden.